Archive for Mai 2012

Rainald Grebe – Kindergeburtstag für Erwachsene

Mai 25, 2012

Berlin, 24. Mai 2012 Das Tempodrom am Anhalter Bahnhof in Berlin bietet zum Abschluss seines Orchesterprojektes den Rahmen für den Kabarettisten und Liedermacher Rainald Grebe & „Das Orchester der Versöhnung“. Der letzte Stopp in Berlin dauert zwei Tage und ist nach dem ausverkauften Gastspiel im Berliner Admiralspalast, zwei erfolgreichen Tourneen und einem überwältigenden Waldbühnenkonzertspektakel der krönende Abschluss.

Seine Konzerte sind immer ein großes Spektakel. Die erste Hälfte seiner Abschlussvorstellung scheint aber eine einzige große Kinderparty für Erwachsene, alternativ ein ausgelassener Herrenabend, geworden zu sein. In bunten Verkleidungen erstürmen die Künstler die Bühne und der Meister eröffnet seinen Budenzauber fast schon traditionell mit dem Indianer-Federschmuck. Mit witzigen Wortfetzen, Weißheiten in Reimattacken, Krach und Klamauk, schelmischen Hintersinn und jeder Menge Spaß präsentiert der Künstler sein Programm. Lümmelnd in seinem Drehstuhl am Piano und über die Bühne springend: Rainald Grebe ist voll bei der Sache! Der eine oder andere mag sich fragen, wer da was geraucht hat? Aber seine musikalischen Ambitionen sind durchaus anspruchsvoll und werden von der Band und dem Streichorchester gelungen umgesetzt. Ein DJ ist mit an Bord und sorgt für die abgedrehtesten Geräusche. Die vierköpfige Streichergruppe besteht aus etwas betagten Herren, die einen wunderbaren Kontrast im Irrsinn von Grebes Traumwelt bieten.

In der Ankündigung heißt es passend: „Seine Konzerte mit dem zehnköpfigen Orchester, ein einzigartiges Spektakel zwischen Quatsch und Pathos, Theater und Comedy, Zirkus und Popkonzert haben Grebe den Ruf als einer der außergewöhnlichsten Entertainer Deutschlands eingebracht.“

Der Musiker begeistert das Publikum, wenn er sich zum Beispiel im „Prenzlauer Berg“ -Song selbst auf die Schippe nimmt: „Am Kollwitzplatz stehen die Volvos, vor der LPG stehen die Saabs. Die Mieten hier sind bezahlbar, denn ich kann sie ja zahlen…Ho-, Ho-, Holzspielzeug!“ Aber auch beim bittersüßen ´Protestsong` „Ich bin Oben“ droht einem das Lachen im Halse steckenzubleiben. Erlebnisse im Alltag vergnügen das teils kreischende Publikum sehr: Ritter-Sport Vielfalt-Verirrungen und erlebte „Handtaschentänze im Haus der Kulturen“ gehören dazu. Für die bildhafte Veranschaulichung des Handtaschentanzes lassen sich auch schnell Menschen aus dem Publikum gewinnen. Leibhaftig präsentiert „Mike aus Cottbus“, besonders zum Vergnügen der vielen weiblichen Fans, eine sehenswerte Stripeinlage.

Beim unendlich lang wirkenden Lied vom Angeln wird die Angleridylle beschrieben und auf den Arm genommen. Beim „Diktator der Herzen“ vergeht einem schon manchmal das Lachen: „Heut war Steinigung im Bürgerpark. Ich war leider nicht dabei, ich verbrachte den Vormittag in meiner Falknerei“. Aber genau diese Zuspitzung ist Grebe!

Dieser „verrückte“ Künstler lässt sich mit den Zugaben wahrlich nicht lumpen. Der „Präsident“ („Tatütata der Präsident, ich fahre mit Eskorte…“) musste genau so dabei sein, wie zumindest einige Lieder im Zyklus über die armen Bundesländer. Diesmal war „Sachsen-Anhalt“ und als krönender Abschluss „Brandenburg“ dabei. Spätestens dieses Lied konnten dann Alle mitsingen: „In Brandenburg, in Brandenburg, ist wieder jemand gegen einen Baum gegurkt. Was soll man auch machen mit 17, 18 in Brandenburg?“ Diese zynisch-humorvollen Balladen haben den überzeugenden zweiten Teil der Grebe-Show zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen.

In der Rezension zum großen Jubiläumskonzert „Halleluja Berlin“ in der Waldbühne, im Juni 2011, haben wir geschrieben: „Egal was Rainald Grebe singt, es hört sich alles gut an. Das Timbre in seiner Stimme hat etwas unbeschreiblich Interessantes! Bezaubernd sind seine stets witzigen und hintersinnigen Texte, er schaut den Leuten aufs Maul und scheut nicht davor zurück, sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Rainald Grebe hat ganz großes Theater geboten.“

Was soll man dem noch hinzufügen? Wir können auf seine neuen Projekte gespannt sein!

Thomas Moser -BerLi-Press (www.berli-press.de)

 

Rezension von BerLi-Press über das große Waldbühnenkonzert:

http://weblog.berli-press.de/archive/2011/06/19/-halleluja-berlin—-ein-riesenspektakel-von-und-mit-rainald-grebe.htm

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„Über Jungs“ – Mit GRIPS zum Grips

Mai 23, 2012

Berlin, 22. Mai 2012 Pubertärer Alarm im Theater! Da kann das GRIPS-Theater nicht weit sein, denn diese Bühne spielt besonders gerne für Kinder und Jugendliche.

Im GRIPS-Theater am Hansaplatz gab es für die Altersgruppe „14 +“ die Uraufführung des Theaterstücks „Über Jungs“. Wie es die Altersangabe richtig vermuten lässt, geht es im Wesentlichen um einige üble Auswüchse von Jungs, wenn sie im testosterongesteuertem Alter auf die schiefe Bahn kommen.

Vier ungenießbare Jungs, aus den unterschiedlichsten Milieus mit einem breiten Spektrum von Straftaten, treffen bei einem Koch-Anti-Aggressionstraining aufeinander. Die erfolgreiche Teilnahme bedeutet für die Jugendlichen die letzte Chance vor dem Knast.

Der zynische Staatsanwalt Aschenbach, souverän gespielt vom GRIPS-Urgestein Thomas Ahrens, hält gar nichts von dieser Kuschelpädagogik und sähe die Jugendlichen am Liebsten hinter Gittern. Thomas Ahrens spielt auch noch einen übergriffigen Vater. Zu bändigen hat das Ganze die Sterneköchin Christine Duvaldier, die diesen besonderen Kochkurs leitet. Die Köchin, dargestellt von der grandiosen Regine Seidler (übrigens auch die Darstellerin der Lehrerin Frau Müller im letzten Theaterstück über durchgeknallte Eltern), soll der Gruppe nicht nur das Schneiden von Gemüse und das Kochen beibringen, sondern hauptsächlich soziale Kompetenzen vermitteln. Jungs und Kochen, das wird von einigen Knaben nur als „unfassbar schwul“ bezeichnet.

So ist dann auch beim Untertitel des Stückes „Bin ich Küche“ der Jugendsprache liebevoll aufs Maul geschaut worden. Wie man überhaupt sagen muss, ist das Theaterstück von David Gieselmann, dass im Dialog mit dem gesamten Ensemble und der Regisseurin Mina Salehpour entwickelt wurde, in seiner liebevollen Umsetzung ein Sympathiebeweis an die junge Generation. Die jugendlichen Zuschauer bei der Premiere fühlen sich angesprochen und applaudieren immer wieder über witzige Dialoge und den schauspielerischen Glanzleistungen der gesamten Theatercrew. Die Charaktere der machohaften Jugendlichen werden von den Schauspielern wundervoll, in einer teilweise derben Jugendsprache, herausgearbeitet.

Die Knabengruppe wird dann am zweiten Tag unerwartet von einem aggressiven Mädchen „verstärkt“. Und es kommt, wie es kommen muss. Die Emotionen im Kochworkshop drohen außer Kontrolle zu geraten. Es geht immer noch darum, dass innerhalb von drei Tagen ein Menü gezaubert werden soll oder die Teilnehmer in den Knast müssen. Übrigens das Ende des Stückes sei hier nicht verraten, zumal es sich auch erst kurz vor der Premiere in einer Gemeinschaftsarbeit aller Mitwirkenden entwickelt hat. Aspekte von Youtube, Fernsehserien, Comics, Popsongs, Computerspielen und Werbespots wurden witzig und abwechslungsreich in das Stück integriert.

Es geht nicht um die großen Erkenntnisse dieser Welt, sondern letztlich nur um die kleinen wichtigen Schritte im Leben! Oder, um es mit den Worten der Köchin zu sagen: „Einfach nur mal eine Karotte zu schneiden!“

Trotz aller inhaltlichen Schwere ist „Unter Jungs“ eine leichtfüßige, niveauvolle und kurzweilige Unterhaltung…wie man es halt vom GRIPS-Theater gewohnt ist.

Thomas Moser – BerLi-Press

 Besetzung „Über Jungs“: Sebastian Achilles, Thomas Ahrens, Jens Mondalsiki, Robert Neumann, Nina Reithmeier, Regine Seidler, Roland Wolf

www.grips-theater.de

High Five: A-Cappella-Power in Berlin

Mai 23, 2012

Berlin-Tempelhof, 18. Mai 2012 Die fünf Jungs aus Offenburg nennen sich „High Five“ und sind das erste Mal in der Tempelhofer ufa-Fabrik zu Gast. Die jüngste professionelle A-Cappella-Band hat ein lautstarkes Instrument, und das sind ihre virtuosen Stimmen.

Mit ihrem aktuellen Programm „Mundesjugendspiele“ singt sich die Boygroup schnell in die Herzen der Zuhörer und besonders Zuhörerinnen. Was die fünf Knaben bieten, ist Kraft und Power im Gesang und eine bemerkenswert abwechslungsreiche Choreographie. Langeweile war gestern! Die Ankündigung beschreibt es goldrichtig: „Ihre Lieder sind intelligent, witzig bis nachdenklich, voller überraschender Pointen und allesamt selbst getextet und komponiert. Mit einem Songmix aus Rock ‘n’ Roll bis Pop, Heavy Metal bis Volksmusik und Schlager bis House rocken die Twens den Saal.“ In ihrem zweiten Programm beleuchten Hannes, Jannis, Luki, Sebi und Uli den ganz normalen Alltag zwischen Speed-Dating, Metrosexualität und shoppingwütigen Freundinnen, wünschen sich die Hippies samt Woodstock zurück und weihen in acappellyptischen Visionen die Instrumente ihrem Untergang. Hannes Herrmann, Sebastian Hug, Jannis Kirchner, Lukas Luem und Ulrich Stoll gründeten „High Five“ im Jahr 2006 und haben seit dieser Zeit schon auf namhaften Kleinkunstbühnen brilliert.

Der Song „Dreh die Boxen auf“ scheint dann auch Programm für die Fünf zu sein: „Dreh die Boxen auf! Lass den Fußboden vibrieren! Fühl den Groove! Lass ihn deine Lebensgeister aktivieren!“ Es mag am Alter oder der Tagesform von mir gelegen haben, dass die Lautstärke des Abends als gewöhnungsbedürftig empfunden wurde. Offensichtlich war es nicht nur die Aussteuerung, sondern die Lautstärke war genau so gewünscht. Die Bässe donnerten durch den Saal und ich sehnte mich nach einigen Momenten von ruhiger A-Capella-Musik. In den Augenblicken, in denen die mundgemachte Musik ein wenig weniger verstärkt wurde, war dann auch ich wieder versöhnt.

Die Lebensgeister werden bei „High Five“ garantiert geweckt!

Thomas Moser –BerLi-Press

http://www.highfiveacappella.de

http://www.ufafabrik.de/de/index.php

Zwei Krawatten – „Eine echte Berliner Revue“

Mai 3, 2012

Berlin-Neukölln, April 2012 Im Heimathafen Neukölln kann der Zuschauer eine weite Reise antreten, die stimmungsvoll von Berlin nach Amerika geht. Die Zuschauer erleben, was zwei Krawatten in ihrer Folge so alles anrichten können und werden in die verlorene Sentimentalität der 20iger Jahre versetzt.

Das musikalische Revue-Sprech-Tanz-Theater von Georg Kaiser, mit der Musik von Mischa Spoliansky, erlebte am 5. September 1929 im Berliner Theater seine Uraufführung. Damals spielte Hans Albers die Rolle des Kellners Jean, dessen Leben in der musikalischen Zeitreise einige Turbulenzen erlebt.

Heute bringt der Heimathafen eine echte Berliner Revue mit Lust und Schwung auf die Bühne. Dabei scheut man sich nicht, professionelle Kunst und lebendige Laienspielfreude zu kombinieren. In der jetzigen Inszenierung wird der Kellner Jean mit einer temperamentvollen Energie überzeugend von Vlad Chiriac dargestellt. Jean wird von der reichen amerikanischen Büchsenfleisch-Erbin Mabel in das Leben der Mächtigen und Reichen „entführt“. Mabel wird dargestellt von der knuffigen Bärbel Bolle, die viele Jahre auch am Deutschen Theater Berlin tätig war. Das Berliner Mädel Trude will aber ihren Jean nicht so einfach aufgeben und es beginnt eine turbulente Reise nach und durch Amerika. Die Berliner Trude wird grandios, lebendig und liebevoll detailreich von Funny Rose interpretiert. Berliner Herz und Lebensfreude kann man dieser einmaligen Schauspielerin ansehen, die als drittes von fünf Kindern eines Berliner Bäckermeisters geboren wurde. Besondere schauspielerische Leistungen können Alexander Ebeert bescheinigt werden, der facettenreich in die vielfältigsten Rollen schlüpft. Dem gesamten Ensemble kann zugerufen werden, dass sie die Berliner Revue fabelhaft repräsentieren.

Spaß kommt auf, wenn die etwas älteren Girls der Stepptanzgruppe „Berliner Spätlese“ ihr Publikum als Matrosen und Brautjungfern zum Rasen bringen. Die vier Frauen kennen sich seit 40 Jahren; im Jahr 2000 gründeten sie dann ihre Tanzgruppe. Seit dieser Zeit sind sie mit viel Spaß und Spielfreude auch in Produktionen der Volksbühne Berlin und des Maxim Gorki Theaters anzutreffen gewesen. Aber das besondere I-Tüpfelchen setzt als Showband „The Incredible Herrengedeck“. Mit Kontrabass, Gitarre, Klavier und eigener Spielleidenschaft jazzen oder bluesen sich die Musiker in die Herzen der Zuhörer.

Das Stück könnte nach meinem Geschmack an der einer oder anderen Stelle etwas knackiger und kürzer sein. Aber Langeweile kommt nie auf. Kitsch, Klischee und manchmal etwas Peinlichkeit passen zu diesem alten, aber längst nicht verstaubten, Musiktheater wie die Faust aufs Auge. Die Grenzen zwischen Schillers Glocke, Nietzsche, Titanic-Romantik, Dinner for one und der YMCA-Kultur verschwimmen und kumulieren sich zu dem „Es wird schon geh´n“- Finale.

Der Schauspieler Jaecki Schwarz, als Hallenser „Polizeiruf 110“ -Kommissar Schmücke immer gerne gesehen, verfolgte entspannt und amüsiert der Premiere. Das Publikum war begeistert und feierte stürmisch die Künstler.

Dem Heimathafen ist es gelungen, dass die Berliner Revue-Tradition mit „Zwei Krawatten“ lebendig und beliebt bleibt.

Thomas Moser -BerLi-Press (www.berli-press.de)

Spieltermine „Zwei Krawatten“ im Mai 2012:

Mittwoch, 09. Mai > 20:00 Uhr

Donnerstag, 10. Mai > 20:00 Uhr

Freitag, 11. Mai > 20:00 Uhr

Sonntag, 20. Mai > 18:00 Uhr