Archive for April 2012

Köstliches Klavier-Kabarett-Konzert: „Duo luna-tic“

April 20, 2012

Berlin-Tempelhof, 19. April 2012 Man nehme einige Schlager und Chansons, ein Klavier, verschiedene Sprachen, zwei unterschiedliche Frauen mit viel Temperament, erstklassige musikalische und schauspielerische Qualitäten und mixt das Ganze: Fertig ist das „Duo luna-tic“.

Die echt Berliner Schnauze Claire und die eher feinere französische Dame Olli schenken sich auf der Kabarett-Bühne der ufa-Fabrik nichts, wenn sie zu ihrem Klavierakrobatikliederkabarett-Abend einladen. Claire ist die waschechte Berlinerin aus Spandau, die deftig und heftig das Publikum mitreißt. Die feingeistige Mademoiselle Olli ist der passende zweite (vornehme) Latschen an ihrer Seite. In die Rolle der Göre Claire ist Judith Bach geschlüpft, die tatsächlich eine gebürtige Berlinerin ist. Olli ist die gebürtige Bernerin Stéfanie Lang. Heute leben die beiden Künstlerinnen in der Schweiz. In ihrer Programmankündigung heißt es „Zusammen bilden die beiden Sängerinnen, Pianistinnen und Komödiantinnen als „Duo luna-tic“ jedoch mehr als nur ein eingespieltes Team. Dazu hüpfen und tanzen sie als Claire & Olli bisweilen hochvirtuos – und legen zwischendurch schon mal so manche Pausen ein, in denen man sich so seine Gedanken macht. Vorrangig natürlich über das, was seit Menschengedenken den meisten Diskussions- und Sprengstoff liefert: die Liebe!“

Ihre Künste sind schon mehrfach preisgekörnt und es ist faszinierend, wenn die exzellenten Sängerinnen ihre Stimmen erklingen lassen und in Schweizerdeutsch, Italienisch, Französisch, Englisch, Spanisch und natürlich auch Berlinerisch Pop-Klassiker und Chansons singen. Sie präsentieren Schlager von Willi Kollo, Pop-Klassiker von den Beatles und Gianna Nannini und Chansons von Edith Piaf und Jacques Brel. Ihr aktuelles Varieté- und Comedy-Programm „Obladiblada“ bietet alles, was das Herz begehrt.

Abwechslungsreich, temperamentvoll und romantisch geht es auf der Bühne zu und man hofft, dass der Abend kein Ende findet. Am Klavier verschmelzen vier Hände zu einem instrumentalen Gesamtkunstwerk. Das Publikum (selbst das etwas „drögere“ Berliner Publikum) wird mitgerissen und kann gar nicht anders, als vergnügt dem Treiben der zwei quirligen Schauspieltalenten zu folgen.

Ein „Verdauungslied“ für Liebeskummer („Ich will einen Mann“), oder „Nehm se´n den Alten“, flotte Sprüche („Ich bin die Claire und brauch keinen Klaus“) und zur Krönung „Wochenend und Sonnenschein“ und der „kleine grüne Kaktus“: Kurz gesagt „Musik mit Herz und Schnauze!“ Ein abwechslungsreicher hochkarätiger musikalischer Abend mit viel schauspielerischer Spielfreude und erstklassigem Gesang. Das Publikum ist begeistert und bedankt sich mit jeder Menge Applaus. Versprochen, beim nächsten Mal „luna-tic“ in Berlin bin ich wieder dabei!

Thomas Moser -BerLi-Press (www.berli-press.de)

http://duo.luna-tic.net

Do-Sa · 19.-21.4.2012 · 20:00 Uhr · 15,-/12,- € Ort: Wolfgang Neuss Salon

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Kiezgeschichten aus dem Kiez

April 6, 2012

Berlin-Tempelhof, April 2012 Die sprechende Echse erobert die Tempelhofer ufa-Fabrik und präsentiert einen „Echt Berliner Mix“ an Kiezgeschichten. „Die Echse“ ist der Comedian und Puppenspieler Michael Hatzius, der als „Jens Schirmer“ durch den Abend führt. Die Kunstfigur „Jens Schirmer“ sorgt sich als durchgeknallter Brandschutzbeauftragter um das Wohl der Besucher. Als Klugscheißer, Esoteriker, Choleriker und Moderator führt er witzig, bissig und unterhaltsam durch den Abend und präsentiert die weiteren Kiezgeschichten-Gastgeber auf der Bühne. In die Tempelhofer Kulturoase hat Michael Hatzius drei Künstlerkollegen mitgebracht.

Nils Heinirch hat den Leuten aufs Maul geschaut, Alltäglichkeiten beobachtet und mit spitzer Feder zu Papier gebracht. Nils Heinrich entfacht ein wahres kabarettistisches Wort-Witz-Gewitter. Immer atemloser wird der Künstler, wenn er so richtig in Schwung gekommen ist. Die Fränkischen Nachrichten schreiben passend: „Nils Heinrich besitzt einige im zeitgenössischen Kabarett selten gewordene Gaben, nämlich echten Humor, Mutterwitz und die aus innerer Überlegenheit gespeiste Gabe zur Selbstverspottung, die einen eigentlich erst recht befähigt, auch über andere und das Leben generell zu spotten und zu lästern.“ So hat Nils Heinrich auch sein druckfrisches Buch „Irgendwo muss man ja wohnen“, mit spritzigen Kurzgeschichten und anderen Überraschungen, mitgebracht.

Anton Grübener hat seinen ganz eigenen Humor. Der „Vortragskünstler der neuen alten Schule“ macht den Humor aus der Zukunft, der sich nicht immer ganz leicht und schnell erschließt. Er sagt selbst von sich: „Seine staksige, leicht psychotische Bühnenfigur bedient kaum eine der üblichen Publikumserwartungen.“ Es gibt bei dem Wortspieler keinen roten Faden, sondern wie er sagt eher einen „roten Teppich“. Sein langsamer, aber fein-bewusster Humor spricht von der Frühlingsdepression und den praktischen Vorteilen, wenn man aus einer Mücke einen Elefanten macht.

Jens Heinrich Claasen´s Welt ist das Klavier und der spöttige Gesang. Die etwas verklemmte Bühnenfigur geht auf die Bühne, damit er nicht alleine ist („Oh, ist der süüüüüüüß“ fordert der Künstler vom weiblichen Publikum ein). Jens Heinrich singt den Tine-Wittler-Song (für RTL-Muffel: die „Dicke“, die als RTL-Wohnexpertin „Einsatz in 4 Wänden“ präsentiert) und träumt nur davon, dass er Künstler mit einem Bausparvertrag und einer 40-Stunden-Woche wird. Claasen sucht einfach nur Kontakt: „Egal ob Mann oder Frau, ich möchte einfach nicht mehr alleine sein.“

Die Krönung des Abends ist dann zweifelsohne „Die Echse“, wenn sie –kunstvoll zum Leben erweckt von Michael Hatzius– die Bühne und das Publikum erobert. Die fast menschengroße Echse zeigt den Zuschauern, wie eine Puppe erst so richtig lebendig wird. Es stört kein bisschen, dass Michael Hatzius immer zu sehen ist, weil er schon nach kurzer Zeit nicht mehr wahrgenommen wird und das Publikum in die Echsenwelt versinken kann. Da klingt es dann fast liebevoll, wenn „Die Echse“ das Publikum veräppelt: „Ich habe Tinnitus im Auge, ich sehe nur Pfeifen!“ Anrührend komisch und lebensnah verzaubert die Echse das etwas dröge Tempelhofer Publikum am Premierenabend.

Ein schöner Kiezabend mit abwechslungsreichen und interessanten Gästen!

Thomas Moser –BerLi-Press (www.berli-press.de)

http://www.michaelhatzius.com

http://www.nils-heinrich.de

http://www.anton-gruebener.de

http://www.jensclaassen.de

http://www.ufafabrik.de

BERLINERLEBEN: Bunt und schrill in der Neuköllner Oper

April 5, 2012

Berlin-Neukölln, 15. März 2012 Pariser Leben in Berlin? Wie lässt es sich besser darstellen, als in einem bunten und schrillen Musiktheater der Neuköllner Oper: „BERLINERLEBEN“. Und alles unter dem Motto „freizügig nach Offenbach“, genauer gesagt frei nach Jacques Offenbach, der als französischer Komponist mit deutschen Wurzeln als Begründer der modernen Operette gilt.

In Berlin ist alles anders und alles ein bisschen verrückter. Das Stück der Neuköllner Oper nimmt witzig, bissig und lebendig das Berliner Szeneleben und touristisches Erlebnisverlangen auf die Schippe. So wollen die gut betuchten Reisenden bei ihrem Kurztrip wirtschaftlichen Gewinn und Großstadtflair pur inhalieren. Gerade in Schönefeld gelandet und schon sucht man das Berliner Leben. Da freut sich Omar, auf den Punkt gebracht und lebendig dargestellt von Janko Danailow, und seine schrille Kreuzköllner Clique! Der Berliner Szene-Held verkauft den Aufenthalt in der maroden Abriss-WG als High-End-Traumhotel. Der Blick ist dabei passgenau auf die Geldbörse von Alexej, überzeugend gespielt von Clemens Gnad, und auf das Hinterteil von Natascha gerichtet. Natascha, schauspielerisch und gesanglich beachtlich von der Sopranistin Sarah Papadopoulou interpretiert, stürzt sich in die Shoppingwelt und will, wie ihr Mann, in der Nacht den besonderen Flair der Großstadt einatmen. Aber es kommt alles anders…

Bei jedem Stück ist man auf den besonderen Bühnenaufbau in der Neuköllner Oper gespannt. Auch jetzt ist Bühne und Ausstattung in seiner Schlichtheit ein Hingucker! Auf der runden Drehbühne geht es wild zu. Ob als Kofferband am Flughafen oder als WG-Quartier mit Javamöbeln: die Bühne von Michael Köpke unterstützt die Dramaturgie des Stückes. Als Dramaturg hat der künstlerische Leiter der Neuköllner Oper, Bernhard Glocksin, mal wieder ein glückliches Händchen bewiesen. Das abwechslungsreiche Musiktheater ist rundum gelungen. Das Ensemble konnte durchweg überzeugen, auch wenn die nächtliche Clubkönigin Rosetta, schauspielerisch gut dargestellt von Maria Jamborsky, gesanglich hinter den Erwartungen zurückblieb. Da hilft es auch nicht wirklich, wenn die Verruchtheit von Hildegard Knef an einigen Stellen Pate stand. Schauspielerisch gut sind die Szenen mit der Tätowiererin und dem Friseur gelungen. Eine besonders zu erwähnende Leistung kann Susanne Szell vorweisen, die in mehreren Rollen schauspielerisch glänzte und gesanglich brillierte. Das Premierenpublikum war aus dem Häuschen! Das dreiköpfige Orchester, unter bewährter musikalischer Leitung von Hans-Peter Kirchberg, setzt die vielfältigsten Klanginstallationen erstklassig um. BERLINERLEBEN hat durchaus etwas von einem Klassiker, den man noch in vielen Jahren wieder ausbuddeln könnte. Das rundum gelungene Stück von Hendrik Müller (Idee und Regie), Barbara Rucha (Arrangements und Kompositionen) und Kriss Rudolph (Text) wird jetzt erstmal den ganzen April im Haus an der Neuköllner Karl-Marx-Straße gespielt.

Das BERLINERLEBEN lässt keine lange Weile aufkommen. Die Texte sind auf den Punkt gebracht und es wurde der Berliner Szene gut auf das Maul geschaut. In wenigen Sequenzen gehen die Wortspielereien etwas in Klamauk über. Die Gesamtbeurteilung des Stückes fällt jedoch, ohne Wenn und Aber, rundum positiv aus. Wer sich vergnügen will, ansprechende und qualitativ hochwertige Unterhaltung sucht und alt hergebrachte Bahnen auch mal verlassen will, der ist in der Neuköllner Oper mit dem BERLINERLEBEN gut aufgehoben. Na dann, viel Spaß beim BERLINERLEBEN!

Thomas Moser –BerLi-Press

www.neukoellneroper.de