Archive for Mai 2011

Flamenco-Reise mit der Gitarre

Mai 29, 2011

Flamenco-Reise mit der Gitarre

Pedro Soler spielte im Haus Cato Bontjes van Beek

Berlin-Lichtenrade, 28. Mai 2011 Flamenco-Töne der besonderen Güte, von einem internationalen Gitarrenvirtuosen präsentiert, konnten Zuhörer in Lichtenrade hören. Das Haus Cato Bontjes van Beek, tagsüber ein ganz normaler Schulhort, wird in unregelmäßigen Abständen zu einer gefragten Kulturadresse in Lichtenrade. Heute hat sich Pedro Soler (Banyuls sur mer, Frankreich) angekündigt. Die Künstler Barbara Thalheim und Jean Pacalet, auch Freunde und beliebte Gäste dieser außergewöhnlichen Bühne, haben es Pedro Soler ans Herz gelegt, mal in Lichtenrade haltzumachen. Nun ist es soweit!

Die Frühlingssonne bringt eine ganz besondere Stimmung in den lichtdurchfluteten Raum. Der Mehrzwecksaal ist vollständig mit kulturbegeisterten Menschen gefüllt, die sich auf den musikalischen Leckerbissen freuen. Die offenen Flügeltüren erlauben es, dass weitere Zuhörer vom Garten her dem Konzert lauschen können. Die Vögel zwitschern und das Publikum, viele kennen sich von den Lichtenrader Konzerten, plauschen angeregt bis zur letzten Minute. Anne Achtenhagen begrüßt den Gitarrenkünstler und freut sich, dass er in das „verschlafene“ Lichtenrade gefunden hat.

Pedro Soler, geboren 1938, beginnt sein Konzert mit Fandango. Pedros Musik ist nicht der typische Flamenco mit den Kastagnetten und temperamentvollem Tanz. Pedro reist mit den Zuhörern durch die Jahrhunderte des Flamencos und vereint indische Ursprünge und andalusische Elemente. Der Flamenco-Meister wurde als junger Mann von dem Flamencosänger Jacinto Almadén entdeckt, der seine Feinfühligkeit zu schätzen wusste und ihn als seinen persönlichen Gitarristen ausbildete. Vieles lernte Pedro jedoch durch jahrelanges Zuschauen und aufmerksames Hören. Pedro Soler hat Jacinto Almadén bis zu dessen Tode durch die ganze Welt begleitet. Pedro arbeitet mit spanischen, griechischen, baskischen, indischen und französischen Künstlern auf der ganzen Welt zusammen. Fast verträumt wirken manche Stücke, zärtlich und voller Bewunderung, etwa für Carmen Joselito, die Tänzerin, mit der er über lange Jahre zusammenarbeitete.

Der Künstler der 6 Saiten spielt Lieder von Freude, Leid, Trauer und Wut. Manchmal spielt Pedro temperamentvoll, manchmal auch ganz leise. Immer scheint er jedoch mit seinem Instrument und den Geschichten zu verschmelzen. Pedro Soler führt Zwiegespräche mit seiner klassischen Gitarre, dessen jahrelange Gebrauchsspuren deutlich zu sehen sind; er führt weiche Schläge aus, zupft gefühlvoll und geht dann in einen harten Rhythmus über. Die Finger der rechten Hand schlagen dabei leicht auf den Korpus des Instrumentes, um an der einen und anderen Stelle dann doch Kastagnetten und Tanz zu interpretieren. Pedro und seine Musik werden zu einer Einheit. Literaturnobelpreisträger Miguel Angel Asturias sagte: „Pedro Solers Finger sind die fünf Sinne der Gitarre. In seinen Händen vermag die Gitarre zu sehen, hören, singen, fühlen und sprechen.“ Der Künstler ist offen für viele Stilrichtungen und wird besonders für seine Präzision und Reinheit geschätzt. Pedro sagt über seinen Stil: „Ich mag keinen hektischen Flamenco, der lediglich dazu dienen soll, die Technik der Tänzer zu unterstreichen. Flamenco ist eine Welt des Ausdrucks, eine außergewöhnliche Musik, irgendwo zwischen Orient und Okzident angesiedelt…Ein bisschen wie der Blues, ist er der Ausdruck der menschlichen Seele.“ Diese Einstellung vermittelt Pedro Soler mit jedem angeschlagenen Ton auf seiner Gitarre.

Am Ende der Konzertes, von einem Wiegenlied eingeleitet, treffen sich Künstler und Gäste zu Rotwein, Käse und anderen Leckereien. Der Eintritt war, wie immer, frei. Die Veranstalter freuen sich jedoch über Spenden für den Schulhort der Stadtindianer. Die Gastgeber Anne Achtenhagen und Johannes Schmock haben im Haus Cato Bontjes van Beek einen außergewöhnlichen Ort der gehobenen Kultur in Lichtenrade geschaffen. Klein, aber ganz, ganz fein!

Thomas Moser –BerLi-Press (www.berli-press.de) für www.lichtenrade-berlin.de

Mehr Informationen zum Haus Cato Bontjes van Beek: http://www.lichtenrade-berlin.de/haus_cato.html

Konzerte u.ä. werden angekündigt unter „Aktuelle Tipps“ bei www.lichtenrade-berlin.de oder man lässt sich in eine Mail-Liste eintragen: johannes.schmock@hotmail.de

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Laubenpieperidylle im Keller der Neuköllner Oper

Mai 21, 2011

Berlin-Neukölln, 19. Mai 2011 Die Musiktheater-Formation schindelkilliusdutschke lädt zur Wiederaufnahme ihrer Komposition „Schreberzone“ in die Katakomben der Neuköllner Oper ein. Der Besucher steigt einige Stufen in den vor einigen Jahren wiederbelebten Kegelkeller der Passage Neukölln. Hier waren die Theaterleute von schindelkilliusdutschke bereits als Passagiere im Kegelkeller unterwegs.

Im Rahmen eines gespielten Seminars „Welcher Garten passt zu mir?“ wird das Thema rund um die Kleingartenidylle von schindelkilliusdutschke künstlerisch aufs Korn genommen. Im hellen Seminarraum wird von den weißen Anzugträgern in das Thema eingeführt. Musikgeklimper ertönt, Geräusche sind an aller Ecken zu hören, Schnarchen geht in undefinierbare Laute über, die Kleingartenverordnung wird intoniert und theologische Aspekte werden von einer unendlichen Aufzählung von Pflanzen abgelöst. Ein ewiges Hin und Her mit viel Witz und hohem künstlerischem Können! Melodisch kraftvolle Stimmbildungsübungen gehen in schrille bellende Laute über. Was hat das Ganze mit Schrebergärten zu tun? Die musikalische Theatergruppe schindelkilliusdutschke nähert sich gerne ihren Themen von vielen Seiten.

So kann man Daniel Moritz Schreber (geboren am 15. Oktober 1808 in Leipzig, gestorben 10. November 1861 in Leipzig) als Namenspatron der Schrebergärten ansehen. Der Arzt und Hochschullehrer war Leiter der orthopädischen Anstalt und setzte sich für die innerstädtische Entwicklung von Spiel- und Sportflächen ein. „Spielwiesen“ für Kinder und Armengärten in der Stadt sind gedeihlich für die menschliche Entwicklung, meinte Schreber. Schreberzone führt das Publikum in die Intension und Denkweise des Arztes ein. Harmonie, Gemütlichkeit, Bürgersruh, Einigkeit und Gesundheitspflege werden angestimmt. Mit viel Heiterkeit wird ein meditativer Wunschgarten fantasiert und dann schnöde von einer Videoinstallation abgelöst, die das Laubenpieperdasein zwischen S-Bahn und Autobahn erlebbar macht. Das Publikum wandert nun durch die verschiedenen liebevoll gestalteten Schrebergartenzonen. Glockenspiel auf eingeweckten Gläsern, Pflanzenzucht im Keller, musikalisch orthopädische Leibesübungen: All das soll zur „moralischen Veredelung“ führen. Die drei musikalischen Ausnahmekünstler intonieren Ravels Bolero und singen Lieder von Brecht und Eisler. Es gibt viele musikalische Leckerbissen: gestreuter Sand erzeugt zarte Klänge und das zahnschmerzenbringende Gekratze von Harken und Mistgabeln fügt sich zu einem wundersamen künstlerischen Gesamtbild. Die lustvollen Texte und eigenwilligen Interpretationen sorgen immer wieder für Gegacker beim Publikum. Man sieht wundersam Pflanzen wachsen. Die Protagonisten begleiten das Wachstum der Gärten, manchmal hilft da auch der Mondkalender. Egal was Volker Schindel, Rainer Killius und Tobias Dutschke darstellen, ob sie erschöpft, panisch oder wütend sind, als beeindruckende Persönlichkeiten beamen sie die Zuschauer, die auch Bestandteil des Stückes werden, in eine ganz andere Welt. Skurrile, witzige und kritische Texte, Spiele mit Wortpaaren und viel Musikalität sind das Konzept der Truppe. Und dieses Konzept von schindelkilliusdutschke geht voll und ganz auf! Es fügt sich zu einem wundersamen künstlerischen Gesamtbild. Egal ob Blasmusik und A-cappella-Gesang, die Musiker treffen die Seele des Publikums. Aber auch das aufgeregte kleingärtnerische Spiessertum bekommt sein Fett weg. Interviewfetzen erzählen von den Freuden und Sorgen der Gartenfreunde. Mit Akkordeon, Klarinette und Trommelstock interpretiert schindelkilliusdutschke „Was braucht der Berliner, um glücklich zu sein“; einst gesungen von Claire Waldoff: ne Laube, Zaun und een Beet! Das Fest der Schrebergärtner kann beginnen!

Das Premierenpublikum der Wiederaufnahme applaudiert begeistert. Hier im Kegelkeller in Neukölln kann man ein kurzweiliges Laubenpieperamüsement der künstlerischen Spitzenklasse erleben!

Thomas Moser –BerLi-Press (www.berli-press.de)

Schreberzone wurde am 16. April 2010 beim Festival „open Op“ uraufgeführt und gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und aus Mitteln des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Senatskanzlei, Kulturelle Angelegenheiten. Inszenierung: Matthias Rebstock, Raum & Projektionen: Sabine Beyerle & David Reuter, Kostüme: Sabine Hilscher.

schindelkilliusdutschke

Seit 2005 entwickeln die drei Musiker und Darsteller Volker Schindel, Rainer Killius und Tobias Dutschke unkonventionelles Musiktheater sowie musikalische Theaterabende. So produzierte das Trio für die Sophiensaele (2005), am Konzerthaus Berlin (2006 u. 2007), am Schauspiel Köln (2008), bei „Theaterland Steiermark“/AUT (2008), an der Neuköllner Oper (2007 u. 2010). Schreberzone ist die dritte Zusammenarbeit mit Rebstock/Hilscher. Mit Reuter/Beyerle arbeiteten sie zusammen an der Neuköllner Oper bei Passagiere im Kegelkeller 2007. Zahlreiche Gastspieleinladungen nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz, aber auch nach Irland, Polen, Tschechien, Belgien, Israel.

Mehr Infos unter: www.schindelkilliusdutschke.de

Spieltermine 19., 21./22. und 26.-28. Mai sowie 2., 4., 10./11. 17./18.und 23.-26. Juni 2011, 21.00 Uhr

Spielort neuköllner oper, Karl-Marx-Str. 131-133, 12043 Berlin
Verkehrsanbindung: U 7 – Karl-Marx-Straße; S 41/42/46/47  –  Neukölln; Bus 104
Karten 9 – 18 Euro           Vorbestellung unter 030 / 6889 0777, unter tickets@neukoellneroper.de sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen