Archive for November 2010

Neuköllner Oper: Mein Avatar und ich

November 26, 2010

Ein Musical zwischen Internet und Wirklichkeit

Berlin- Neukölln, 25. November 2010 In der Neuköllner Opernwelt wird ein Musical zwischen Internet und Wirklichkeit präsentiert. „Mein Avatar und ich“ heißt das neueste Werk von Thomas Zaufke (Musik) und Peter Lund (Text und Regie). Wenn man stilgerecht in das Internetlexikon Wikipedia schaut, heißt es unter „Avatar“ (ich kannte diese Bezeichnung zumindest nicht): „…ist eine künstliche Person oder ein grafischer Stellvertreter einer echten Person in der virtuellen Welt, beispielsweise in einem Computerspiel.“

Die Neuköllner Oper hat zum elften Mal mit dem Studiengang Musical der Udk zusammengearbeitet und, das kann man schon einleitend sagen, eine -im besten Sinne- außergewöhnliche und sensationelle Produktion präsentiert.

Es wird die Geschichte von der Generation „Computerspiel“ erzählt, die stundenlang vor der Kiste hocken kann und ihre Freizeit mit dem virtuellen Spiel verbringt. Hier im Netz findet man wirkliche Freunde? Oder doch nicht? Joschi ist ein echter Held, will zumindest einer sein. Fritz hat siebenhundertdreiundvierzig „Freunde“ und kann sich nicht von der Cyberwelt lösen. Überall wird im Netz etwas geschummelt: Schließlich sind wir alle Menschen…Avatare aber auch?! Helen ist zwar ein Avatar, aber sie weiß es nicht wirklich. Und ein eigener Wille ist für Avatare undenkbar und verletzt das „Berufsethos.“ Die Geschichte erzählt auch davon, was passiert, wenn unsere idealisierten Bilder im Netz Gefühle bekommen und mit dem moralischen Zeigefinger ihre User belehren wollen.

Das minimalistische Bühnenbild erzeugt, auf eine einmalige Weise, eine maximale Wirkung. Wirkungsvoll in Szene gesetzt wird die Bühne von einhundert Prozent stimmigen Videoanimationen. Auch die Kostüme sind gelungene kleine Kunstwerke.

Die Musik ist von Anfang an bezaubernd temperamentvoll. Gleich der erste Song ist ein fulminanter Einstieg in das Netz. Thomas Zaufke hat es mal wieder wunderbar geschafft, spannende Klangbilder zu erzeugen. Stimmungsvolle und schnelle Musicalmelodien werden durch einmalige Blues- und Tangorhythmen ergänzt. Die Musik ist ein virtuoses Klangerlebnis mit einer unbeschreiblichen Intensität. Die Choreografie ist, wie Alles in diesem Stück, perfekt und atemberaubend. Alle Schauspieler und Sänger zeigen hochkarätige Leistungen. Die Lust am Spiel, ganz sicher äußerst hart erarbeitet, schimmert bei jedem Tanzschritt, jedem Ton und jeder Mimik durch.

Das Publikum taucht in die schnelle, anonyme und virtuelle Welt ein. Die Zuschauer, die nicht die Computerspiele als ihre Welt ansehen, verstehen ihre Kinder und Enkelkinder ein wenig mehr, wenn sie mit quadratischen Augen Wirklichkeit und Fiktion nicht mehr so recht unterscheiden können.

Coole Männer und Frauen, Helden und Looser: Alle sind im Netz und vor den Bildschirmen versammelt. Die Absurdität der fiktiven Welt wird fühlbar. Die Figuren werden ironisch und liebevoll dargestellt, der Retter der Welt ist schon im Level 4 („Ich wäre so gerne ein richtiger Held“) und der Avatar ist dass, was der User sein will. Im Lied vom Superhelden werden die tödliche Waffen besungen, die von Kinder gespielt werden. Im Gesang der Avatare fragen sie sich, ob sie nur ein Bild von etwas sind: „Wer hat uns gemacht?“ Der virtuelle Kampf und die Anziehung der Geschlechter wird im Ego-Shooter-Spiel und auch bei „Pinky ville“, die Klein-Mädchen-Spielvariante, deutlich.

Ganz verworren wird das Leben, hier und jenseits der Bildschirme, wenn sich die Avatare verselbständigen, menschliche Gefühle bekommen und Kontakt mir ihren Nutzern aufnehmen. Das Sammeln von Lebenspunkten nimmt dann nur noch einen untergeordneten Stellenwert ein. Die Moral von der Geschichte wird mit klerikalem A-cappella-Gesang dargeboten, witzig und humorvoll bis zur letzen Minute! Selbst der letzten Zugabe war die perfekt durchgestylte Leichtigkeit anzumerken. Das Premierenpublikum war aus dem Häuschen und mit der schauspielerischen Gesamtleistung mehr als zufrieden.

Hervorzuheben ist noch besonders Hans-Peter Kirchberg (musikalische Einstudierung und Leitung), mittlerweile auch bei den Bayreuther Festspielen unterwegs, und die erstklassige Band.

Das Ohrenschmausvergnügen in der Neuköllner Oper ist „ganz großes Musicaltheater!“

Thomas Moser –BerLi-Press (www.berli-press.de)  – www.neukoellneroper.de

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„TEMPELHOF“ in Tempelhof gelandet – Sebastian Krumbiegel auf Tour

November 14, 2010

Berlin-Tempelhof, 13.11.2010 Sebastian Krumbiegel und „Die feinen Herren“ stellen das TEMPELHOF-Album in der legendären ufa-Fabrik vor. Die Landung auf dem Tempelhofer Flughafen ist nach der Schließung des Airports nicht mehr möglich gewesen. Daher hat der „Prinz“ Sebastian Krumbiegel für die Vorstellung seines neuesten Werkes TEMPELHOF die Tempelhofer ufa-Fabrik als Startbahn gewählt.

Um es gleich vorwegzusagen, der Inhalt des Albums ist keine Hommage auf Tempelhof, sondern heißt nur deshalb so, weil das Werk in den kleinen aber sehr feinen Candy-Bomber-Studios, in den Katakomben des stillgelegten Flughafen Tempelhof, aufgenommen wurde und Krumbiegel, wie es in Presseinformationen heißt, schon als Kind mit einem Flughafenmodell von Tempelhof gespielt hatte. Mit der noch analogen Technik im Studio, dessen Herzstück das legendäre „München-Paris-Pult“ von Telefunken bildet, hat schon Meisterdirigent Herbert von Karajan einen Großteil der Rundfunkaufnahmen mischen lassen. Die CD wurde im Studio live eingespielt.

Jetzt laufen aber die Turbinen in der ufa-Fabrik an, die Band geht in Startposition und Krumbiegel & Co heben ab.

So wird im ersten Song „Sehnsucht“ gleich ein kraftvoller, aber auch gefühlvoller, Beat angeschlagen und beim Schließen der Augen kann sich der Zuhörer manchmal den Sound der legendären Beatles vorstellen. Der Abend wird eine Reise durch die verschiedensten musikalischen Stimmungen und Themen. Sebastian Krumbiegel, als Stimme der Prinzen bekannt geworden, stellt die „Genies seiner Band“ vor, wie der Songwriter die feinen Herren nennt. Mit den Musikern Max Fetzer (Gitarre), der mit seiner Lapsteel-Guitar sphärisch schwebende Sounds fabriziert, verbindet ihn eine ebenso langjährige Freundschaft wie mit Stephan Schulz (Bass) und Thomas Fietz (Schlagzeug), die eine herausragend gute Rhythmusgruppe bilden. Für vier Lieder auf der CD konnte noch Helmut Zerlett gewonnen werden, der mit seiner Kunst die „Harald-Schmidt-Show“ deutlich aufgewertet hat.

Krumbiegel singt über die „Zeitung“, die nichts wie die Wahrheit schreibt („…wo man manchmal aber nicht weiß, ob man lachen oder weinen muss…“). „Es wird wärmer“ erzählt gefühlvoll von der Stimmung zwischen Frühling und Klimawechsel. Auch werden von älteren Platten Songs ins Programm eingestreut: „Grenzenlos“ nimmt das Thema Kampf und Versöhnung der Völker und Religionen auf, wenn es heißt „Meine Nation sind die Liebenden.“ Krumbiegel will mit seinen Liedern Gefühle ausdrücken. Oft ist aber auch eine Botschaft enthalten. Der „erhobene Zeigefinger“ ist, wenn überhaupt, nur ganz dezent spürbar. In „Deine Meinung“ wird rockig die Frage nach Inhalten aufgeworfen. Besonders schön ist es, wenn diese Botschaft von allen verstanden wird. Einmal liegt dies an der Sprache, Krumbiegel singt natürlich deutsch, andererseits ist die ausgebildete Thomanerstimme (Krumbiegel hat im Leipziger Thomanerchor gesungen) eine Wohltat im allgemeinen Musikgenuschel von vielen Sängern. Sebastian Krumbiegel hat auch bei diesem Projekt seine unverkennbare Prinzenstimme. Bei dem etwas älteren Song „Keine Zeit“ geht auch „ohne Selbstmitleid“ die Post ab.

Von Rio Reiser wurde auf dem TEMPELHOF-Album „Sei mein Freund“ gecovert. Für Reiser-Fan Sebastian Krumbiegel ist es dann auch etwas Besonderes, da genau an dieser Stelle, im Theatersaal der ufa-Fabrik, der verstorbene Ausnahmemusiker Rio Reiser mit Ton-Stein-Scherben auf der Bühne stand. Der Song kommt gefühlvoll, in einem vollen Sound, beim Zuhörer an. Das stimmige Gitarrensolo und der sanfte Schlagzeugbeseneinsatz unterstreicht die Stimmung des Liedes. Im Blues-Sound wird das „Positiv Denken“ besungen.

Einige Songs der Band „Les Hommes Sauvages“ werden bei diesem Auftritt gespielt. In dieser Band spielt auch der Gitarrist Max Fetzer mit. Max Fetzer soll an dieser Stelle besonders hervorgehoben werden. Es ist beeindruckend, wie er seiner Gitarre die feinsten Sounds entlockt und man das Gefühl hat, dass er mit seiner „Geliebten“ verschmilzt. Bei „Die Nacht gehört uns“ bearbeitet Fetzer seine Lapsteel-Guitar wie im Rausch. Die Adrenalinspritze scheint jetzt seine volle Wirkung entfaltet zu haben. Auch der Bass heizt dem unendlichen Rhythmus an.

Mit dem Solo von Sebastian Krumbiegel „Das Schiff“ von „Die Art“ endet besinnlich ein wunderbarer Abend in Tempelhof mit TEMPELHOF. Das Flugzeug ist sicher gelandet.

Sebastian Krumbiegel und „Die Feinen Herren“ haben eine solide, natürliche und erstklassige Leistung geliefert. Das Publikum war rundum zufrieden und begeistert!

Thomas Moser –BerLi-Press (www.berli-press.de)

http://ufafabrik.de

http://www.sebastian-krumbiegel.de und http://www.les-hommes-sauvages.org

Seth Lakeman auf Deutschlandtournee in Berlin

November 5, 2010

Der Teufelsgeiger der Folkmusik Berlin

, 4. November 2010 SETH LAKEMAN, der besondere Folkmusiker aus Leidenschaft, tourt mit seiner Band das erste Mal durch Deutschland. Die Berliner haben im Sommer schon ein Gefühl für sein Können in der Zitadelle Spandau erschnuppern können, als der Engländer als Special Guest von RUNRIG auf der Open-Air-Bühne zu überzeugen wusste.

Nun legt der Britte, zur Vorstellung seines neuen Albums „Hearts and minds“, erneut einen Zwischenstopp in Berlin ein. Im „Privatclub“ in Berlin-Kreuzberg, einem In-Treffpunkt der Musik, stehen eng gedrängt die Fans der Folkmusik. Fast verborgen liegt der „Privatclub“ im Keller der „Markthalle“, wie das gemütliche Weltlokal im Eingangsbereich heißt. Durch eine unscheinbare Tür der Kneipe steigt man in die Katakomben der Live-Unterhaltung. SETH LAKEMAN, 1977 geboren, verzaubert mit soften und rockigen Folkklängen, einer mitreißenden Musik, die traditionelle Klänge mit dem ganz besonderen Sound des Musikers verbindet. „Instrumente aus Holz sind wieder cool“, frohlockt Seth und weiter: „Banjos, Mandolinen, Akustikgitarren und Violinen sind wieder richtig beliebt, sodass ich sehr froh bin, meiner Sache treu geblieben zu sein.“ Diese Ehrlichkeit merkt das Publikum von Anfang an. Mit dem Titelsong seiner neuen CD „Hearts and minds“, die auch zeitgemäße Themen aufgreift, eröffnet die Band den Musikabend. Das neue Album wurde kürzlich von „stern.de“ zum „Album der Woche“ gekürt. Dort hieß es: „Die Finanzkrise hinterlässt ihre Spuren auch in der Musikszene: Der britische Folk-Sänger SETH LAKEMAN hat mit „Hearts and Minds“ einen Song über die Misswirtschaft der Banken geschrieben und darüber, wie Musik die Menschen in Krisenzeiten zusammenbringen kann“. Mit „Hearts And Minds“ legt der Sänger, Songwriter und Multiinstrumentalist aus der Grafschaft Devon sein fünftes Studioalbum vor. LAKEMAN lässt in seine Stücke viele Legenden und Geschichten einfließen. Wie es im Titelsong heißt, geht der Abend mit Herz und Verstand weiter, wobei das herzliche Gefühl bei den Fans sicherlich im Vordergrund stand. Bei den langsamen Songs, wie „Rifleman Of War“, schauen viele jüngere weibliche Fans verträumt den smarten Musikvirtuosen auf die schnellen Finger. LAKEMAN scheint sein Instrument zu streicheln, wenn er die Fidel zupft oder streicht. Seine klare Stimme ist, für seine Art von Folkmusik, wie geschaffen. Bei den rockigen Folkeinlagen gibt es kein Halten mehr und das Publikum klatscht, tanzt, wippt und springt voller Begeisterung zu den Takten dieser handgemachten Musik. Mit den Stilübergreifenden Songs setzt SETH LAKEMAN Maßstäbe. SETH LAKEMANS Musik wird durch seine mitreißende Performance zu einem besonderen Erlebnis. Die Band, mit SETH noch vier weitere Musiker, setzt ihr Handwerk mit Kontrabass, Mandoline, verschiedenste Akustikgitarren, Banjo und Trommeln gekonnt um. SETH LAKEMAN fiedelt nach allen Regeln der Kunst, was besonders bei den Soli zu merken ist. Beeindruckend überzeugt der Künstler bei „Kitty Jay“, nur mit Geige, Rhythmus und Stimme, alleine auf der Bühne. Neben der Geige ist die Gitarre das Instrument von SETH. Manchmal greift der begnadete Musiker auch zur Mundharmonika. Die Folkmusik erscheint lupenrein, manchmal sieht man stark die Handschrift von LAKEMAN. In jedem Fall wird der Folkfan bei dieser Musik aber seine reine Freude haben! Der Künstler, der seit 1994 musikalisch aktiv ist, zelebriert schnörkellos und voller Begeisterung auf der Debut-Tournee durch Deutschland seine Art der Folkmusik. Wenn man glaubt, dass es keine Steigerung mehr gibt, präsentiert SETH LAKEMAN die letzten mitreißenden Songs. „Race To Be King“ ist dabei einer der Höhepunkte. Der Musiker schlägt mit seinen Songs einen melodischen Spannungsbogen. Stimmungsvolle und moderne rockige Folkmusik, ohne Wenn und Aber: SETH LAKEMAN

Thomas Moser –BerLi-Press (www.berli-press.de) http://www.sethlakeman.co.uk/ http://www.myspace.com/sethlakeman