Archive for Dezember 2008

Wiener Sängerknaben in Berlin – Weihnachtskonzert 2008

Dezember 6, 2008

Die Wiener Sängerknaben brachten am 2. Adventwochenende weihnachtliche Stimmung in die Berliner Philharmonie und in das Konzerthaus am Gendarmenmarkt.


21 Knaben im Matrosenanzug und Lackschuhen betreten singend den Konzertsaal. Mit ihren glasklaren Stimmen zeigen sie dem Berliner Publikum einen Ausschnitt ihres Repertoires. Im zweiten Teil der Konzerts werden eher weihnachtliche Töne angestimmt. Ihr Repertoire reicht von Mittelalter bis zu zeitgenössischer und experimenteller Musik. Motetten und Lieder für Oberchor bilden den Kern des Tourneerepertoires, wie auch die eigenen Arrangements von Walzern und Polkas von Strauss.

Mit der Perfektion erfahrender Musiker zeigen die 10 bis 14jährigen Jungen, was jahrelange intensive Schulung schon bei Kindern für Erfolge zeitigen kann. Besonders die Soli des ersten Sängers sind wegen seiner kräftigen und auch feinfühligen Stimme einmalig.

Anspruchsvolle Chorwerke wechselten sich mit heiteren Volksweisen ab. Eine wundervolle Mischung! „Klinika“, „Wenn ich einmal reich wär“ aus Anatevka und im zweiten Teil des Programmes eine internationale Mischung verschiedener Weihnachtslieder waren wohl die beliebtesten Weisen für das Berliner Publikum. Ein wahrhaft gelungener Auftritt! Der engagierte Chorleiter und Pianist konnte die Kinder und die Konzertbesucher mit seiner mitreißenden Art begeistern. Der Zuschauer kann sich aber kaum vorstellen, wie diese teils fast schon pubertierenden Kinder wunderbare Lieder singen, bald in den Stimmbruch kommen und zuhause und im Internat wie andere Kinder ganz „normal“ am PC spielen und Fernsehen gucken.

Die Wiener Sängerknaben haben es beim Berliner Publikum geschafft, dass sie ein wenig entspannter den Heimweg über die angrenzenden Weihnachtsmärkte antreten konnten und besinnlich Weihnachten entgegensehen.

Thomas Moser, 6. Dezember 2008, BerLi-Press (http://www.berli-press.de) für http://www.lichtenrade-berlin.de


Aus der Geschichte der Wiener Sängerknaben:


Der Ursprung der Wiener Sängerknaben liegt im Jahr 1498. Vor mehr als einem halben Jahrtausend verlegte Kaiser Maximilian I seinen Hof und seine Hofmusik von Innsbruck nach Wien. Er orderte ausdrücklich an, dass sich unter den Musikern auch sechs Knaben befinden sollten. Damit hatte er den Grundstein für die Wiener Hofmusikkapelle, für die Hofsängerknaben und schließlich auch die Wiener Sängerknaben gelegt. Musiker wie Heinrich Isaac, Paul Hofhaimer, Heinrich Ignaz, Franz Biber, Wolfgang Amadeus Mozart und Anton Bruckner musizierten bereits mit den Hofsängerknaben. Nach dem Zusammenbruch der Habsburger Monarchie verdankten die Wiener Sängerknaben ihr Weiterbestehen der Initiative von Josef Schnitt, der 1921 Rektor der Burgkapelle wurde.

Aus den Hofsängerknaben wurden die Wiener Sängerknaben. Die Kadettenuniform wich dem Matrosenanzug. Chronischer Geldmangel zwang den Chor dazu, Konzerte außerhalb der Burgkapelle zu geben. Der Erfolg war unglaublich.

Heute gibt es rund 100 Wiener Sängerknabenaufgeteilt auf vier Konzertchöre. Die vier Chöre geben rund 300 Konzerte jährlich mit fast einer halben Million Zuschauer. Die Wiener Sängerknaben bereisen nahezu alle Statten Europas, Asien und Australien, Süd- und Mittelamerika, die USA und Kanada.

Die Wiener Sängerknaben werden in einem privaten Realgymnasium (mit Öffentlichkeitsrecht) mit Latein als Freifach im Wiener Augarten unterrichtet, sie leben in einem Internat, auch wenn sie in Wien wohnhaft sind. Ein besonderer musikalischer Schwerpunkt wird vor allem durch die tägliche zweistündige Chorprobenarbeit gelegt. Auf Grund der mehrmonatigen Auslandstourneen findet der Unterricht konzentriert in kleineren Gruppen statt. Die Chorproben finden allerdings mit den jeweiligen Chormitgliedern (circa 25) statt. In ihren jungen Jahren erhalten die Knaben eine solide musikalische Ausbildung.

Quelle für den geschichtlichen Teil: Website der Sängerknaben und Wikipedia

Website der Wiener Sängerknaben: http://www.wsk.at

Konzertveranstalter in Berlin: http://www.laur-veranstaltungen.de

Foto: Copyright http://www.lukasbeck.com

Advertisements

Türkisch für Liebhaber in der Neuköllner Oper

Dezember 5, 2008

Mit „Türkisch für Liebhaber“ wurde in der Neuköllner Oper ein neues Mozart-Singspiel geschaffen, dass inhaltlich die Wirrungen des Lebens von Türken in Deutschland aufs Korn nimmt. Das zeitgenössische Singspiel entstand aus dem Geist der Türkenoper „Der wohltätige Derwisch“ des 18. Jahrhunderts und erzählt aus der Perspektive junger Künstler mit türkischen Wurzeln.


Die junge Komponistin Sinem Altan hat für die Neuköllner Oper die Mozarthafte und volkstümliche Musik aufgegriffen und mit eigenen Kompositionen in die Gegenwart geführt. Die Geschichte aus der Mittelschicht der türkischstämmigen Deutschen stammt von der Autorin und Kolumnistin Dilek Güngör. Die Texte handeln von turbulenten Missverständnissen und der Sehnsucht nach einem selbst bestimmten Leben, die es in jeder Kultur und sicher nicht nur in Kreuzberg und Neukölln gibt.

In einer lebhaften Art und Weise wird die Geschichte vom attraktiven Ercan, gespielt vom Schauspieler Kerem Can, erzählt. Ercan kommt aus Ankara und will in Berlin ein Architekturpraktikum absolvieren. Einquartiert wird er selbstverständlich im Kreise der Familie. Und es kommt wie es kommen musste. Der Onkel will den Neffen unbedingt mit der deutsch-türkischen Studentin Mine verkuppeln. Die zuerst aufgezwungene und geschmähte Liebe führt nach einigen Wirrungen mit einer Freundin von Mine und einer deutschen Arbeitskollegin von Ercan zu einem Happyend mit Anhang.

Die multikulturelle Geschichte aus dem deutschen Kiez ist trotz der Länge des Stückes kurzweilig. In die lustigen und teils Klischee behafteten Texte kann sich der Zuschauer gut einfinden. Das Premierenpublikum war bezaubert.

Das teilweise orientalisch besetzte Orchester, unter der musikalischen Leitung von Hans-Peter Kirchberg, überzeugte durch seine Brillanz und Präzision. Im Ensemble begeisterten an diesem Abend besonders die weiblichen Stimmen. Hervorzuheben ist die Mine, dargestellt von der Berlinerin Aline Vogt. Die Sängerin betörte mit Ihren stimmlichen Fähigkeiten. Das Duett mit Nina Reithmeier, die die Freundin Sinem spielt, war ein besonderer Leckerbissen. Den besonderen türkischen Flair brachte aber die türkische Sängerin Begüm Tüzemen mit viel Klasse ein. Für die gute schauspielerische Gesamtleistung des Ensembles bedankte sich das Publikum mit anhaltendem Applaus. Es inszenierte Søren Schuhmacher, Oberspielleiter an der Deutschen Oper Berlin, der wie sein Ausstatter Norbert Bellen und die Mehrzahl des internationalen Ensembles erstmals an der Neuköllner Oper arbeitet.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Ein wundervoller musikalischer und multikultureller Abend mit Hintergrund, unverkrampften Multikulti-Witz, schöner Musik und viel Freude!

Thomas Moser 1.12.2008

BerLi-Press (http://www.berli-press.de) für http://www.lichtenrade-berlin.de

http://www.neukoellner-oper.de/

Spielort: Neuköllner Oper, Karl-Marx-Str. 131-133, 12043 Berlin

Verkehrsanbindung: U 7 – Karl-Marx-Straße, S 41/42/46/47 – Neukölln, Bus 104

Spieltermine: 4., 6./7., 11.–14., 18.–21 und 26.–28. Dezember 2008 um 20 Uhr sowie im Januar 09

Karten: 9,- bis 21,- Euro,

Vorbestellung unter 030/68 89 07 77,

unter Email: tickets@neukoellneroper.de

und an allen bekannten Vorverkaufsstellen

BAP: De Kölsche Jungs in Berlin – „Et ess, wie`t ess“

Dezember 2, 2008

Die Kölner Kultband „BAP“ schreibt schon Jahrzehnte deutsche Rockgeschichte; um genau zu sein seit 32 Jahren. In Berlin trat die Band mit den kölschen Texten und ihrem neuesten Programm „Radio Pandora“ in der gut besuchten legendären Columbiahalle, in unmittelbarer Nähe des kürzlich geschlossenen Flughafens Tempelhof, auf. „Radio Pandora“ gibt es in der Plugged- und Unplugged-Version.

Pünktlich und ohne Eitelkeit beginnen die Rocker ihr Bühnenprogramm. Der ehrliche und unverfälschte Rock kommt bei den Zuschauern in der gefüllten Columbiahalle gut an. Eine einzelne Köln-Fahne wird geschwenkt. Einige Besucher singen auch die Texte mit, andere scheinen „nur“ die Musik zu genießen und klatschen im Rhythmus der Melodie. Bei einigen Liedern hat man fast den Eindruck, dass der Hallenboden bebt. Auch wenn nicht alle Kölsch verstehen ist es nicht so schlimm, denn die Mucke ist einfach nur mitreizend!

Die Band nimmt die Zuschauer mit auf eine dreistündige pausenlose Reise und spielt Songs von Orten, wo sie schon immer hin wollten. Die Lieder handeln auch vom Leuchtturmwärter, vom Fernfahrer aus Osnabrück, von Amerika, Alexandra und Magdalena.

Die Musik ist manchmal melancholisch langsam, in der anderen Sekunde dann aber wieder turboschnell oder einfach nur rockig.

Als Gast begrüßte die Band wieder die Geigerin Anne de Wolff (spielt auch bei Rosenstolz).

Die Musiker von BAP rund um den Dichter, Sänger und gesellschaftlich engagierten Künstler Wolfgang Niedecken, der als einziges Bandmitglied bei der Gründung dabei war, gehören zu den erfolgreichsten Rockkünstlern Deutschlands. Bis heute schaffte es jedes BAP-Album auf die vordersten Chartplätze. Der Frontmann Wolfgang Niedecken und sein „Verdamp lang her….“ dürfte vielen Menschen, die heute um die Fünfzig sind, noch in den Ohren klingen. Das Kultlied, natürlich auch im Kölschen Platt, handelt von Zwiegesprächen am Grab seines Vaters. Der Inhalt dürfte vielen Fans aus dem Nicht-Kölner Raum wohl oft nicht so bewusst gewesen sein. Der Name „BAP“ auch spontan entstanden, erzählt Niedecken, weil er häufig in seinen Liedern von seinem Vater erzählte. „Bapp“ oder „Papp“ bedeutet im Kölschen soviel wie Vater oder Papa.

Der musikalische und inhaltliche Stil der BAP-Songs wird wesentlich von Bob Dylan, den Kinks, Bruce Springsteen und den Rolling Stones geprägt.

Das Konzert war ein imposantes Feuerwerk solider handgemachter Rockmusik. Die Besucher waren rundum begeistert! Die Spielfreude der Band ist immer wieder ansteckend!

Thomas Moser 1.12.2008

BerLi-Press (http://www.lichtenrade-berlin.de) für http://www.lichtenrade-berlin.de

http://www.bap.de