Archive for März 2008

„Fatihland“ – „Von Ali und Hans“ – Stand Up-Kabarett in der ufa-fabrik

März 27, 2008

Fatih †Cevikkollu ist sicherlich einigen aus dem Publikum aus seiner Fernsehrolle als Murat neben Atze Schröder bekannt. In der Tempelhofer ufa-fabrik fesselt der Schauspieler und kabarettistische Newcomer das Publikum mit seinem preisgekrönten Programm „Fatihland“.Fatih kündigt ein sehr „persönliches Programm“ an, da doch das Persönliche im Internetzeitalter immer mehr verschwindet. Neben poetischen Einlagen, einer tiefgründigen Rapp-Nummer, Rilke-Zitaten und einigen persönlichen Geschichten zwischen der deutschen und türkischen Kultur, bietet der Künstler ein knallhartes politisches Kabarett. So wählt er als Einstieg die Äußerung: „Ich bin Moslem! Ich bin ein Sicherheitsrisiko!“ Die gespannte Aufmerksamkeit nach so einer Äußerung beabsichtigt der Kabarettist. So bleibt dem Publikum dann auch das eher spärliche Lachen im Halse stecken.

Der „Kölner Jung“, wie er sich selbst bezeichnet, berichtet vom sogenannten „Moslem-Test“ in Baden-Württemberg, wenn man Deutscher werden will. Ein „Fremdschämen“ erfasst auch den aufmerksamen Zuhörer bei teils absurden Fragen: „Man hört immer wieder … oder … was tun sie, wenn ihr Nachbar Terrorist ist?“

Fatih berichtet vom Leben eines Schauspielers, von Fragen eines „demokratischen“ Deutschen „Sind sie wirklich Türke?“ und vom Ranking der Beliebtheit von Ausländern. Besonders begeistert Fatih in der Figur des Brasilianers und Frauenhelden Joao. Seine schelmigen Augen haben das gesamte Publikum zu jeder Zeit im Blick.

Vom typischen deutschen Hans „Ich spüre in mir die Lust am Recht auf Empörung“ und vom typisch türkischen Ali weiß Fatih einiges zu berichten. Aus seiner Kindheit erzählt Fatih mit einer gehörigen Prise Selbstironie von den deutschen „Sprachkünsten“ seines Vaters und seines Onkels, den stundenlangen Autofahrten zu Beginn der Sommerferien in die Heimat („Gefangen im Taunus in die Türkei“), dem türkischen Leben im „Stand by-Modus“ und dem Warten auf „Drüben“, womit eine geplante spätere Rückkehr in die türkische Heimat gemeint ist. Fatih zeigt mit seiner ihm eigenen Empfindsamkeit den Spannungsbogen zwischen deutscher und türkischer Kultur und Leben. Seine Vorschläge zur Überwindung von Ängsten sind „Kölle-Allah“ und „Allah-Heiligen“ als gemeinsamer Feiertag.

Das Publikum ist wohlwollend zurückhaltend, schmunzelt aber gerne. Der Schauspieler verführt das Berliner Publikum mit seinem feinsinnigen und bissigen Humor kaum zum Lachen. Fatih´s Programm ist intelligent, tiefgründig und voller Sprachwitz. Dabei wird die emotionale Magengegend selbst eines „aufgeschlossenen“ Deutschen angesprochen. Ein bisschen schlechtes Gewissen über die eigene Sichtweise kommt dann doch durch, wenn Fatih von Ängsten der Bevölkerung über Moslems spricht.

So muntert der Kabarettist das vorwiegend deutsche Publikum dann zum türkischen Sprachkurs „als Investition in die Zukunft“ auf. Selbst hat er eine katholische Schule in Köln besucht und später an der Hochschule Ernst Busch in Berlin Schauspiel studiert.

Ist Fatih nun Hans oder Ali? „Was ist sein Mantra?“, fragt sich der Künstler selbst. Und diese Zerrissenheit zwischen den beiden Kulturen spürt auch das Publikum und kann es manchmal schwer einordnen.

Fatih †Cevikkollu dazu: „Ich sehe aus wie Ali, spreche aber wie Hans. Und dadurch kann ich viele Sachen einfacher ansprechen, mich damit humorvoll auseinandersetzen und dazu beitragen, dass auch Ali und Hans da draußen mehr Verständnis füreinander haben!“

Der Funke ist beim ersten Abend in der ufa-fabrik so richtig nicht übergesprungen. Das mag auch der Künstler gespürt haben. „Aber das geht auch anderen Rheinländern in Berlin manchmal so! Der Humor und das Temperament ist doch ein anderer!“ weiß eine Alt-Kölnerin nach der Vorstellung zu berichten.

Wer keine deutsch-türkische Comedy mit dem bedienen der gängigen und manchmal auch lustigen Klischees mag und dafür hochwertiges knallhartes politisches Kabarett vorzieht, ist bei Fatih †Cevikkollu goldrichtig.

Thomas Moser -BerLi-Press (www.berli-press.de) für www.lichtenrade-berlin.de

Hinweis: Der Nachname Cevikkollu hat beim Anfangsbuchstaben „C“ in türkisch einen Haken unter dem Buchstaben, der hier leider nicht abgebildet werden kann.

Mehr Informationen unter

www.fatihland.de oder www.ufafabrik.de

Spieltermine: Mi- Sa, 26. 3. – 12.4. 2008, Beginn: 20:30 Uhr, Eintritt:Mi, Fr, Sa,16-,erm.14,- Euro Do, Theatertag: alle Karten: 14,- Euro – Karten ab sofort im VVK oder unter www.ufafabrik.de

Im Theatersaal der ufaFabrik Viktoriastr. 10-18 12105 Berlin
Direkt am Tempelhofer Damm, 1 Minute von der U6-Ullsteinstraße, Bus: M170, N6 und N 84

Zuschauer- &Ticket-Telefon 030 • 75 50 30

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Heinz G Punkt – Comedy „Poesie mit Unterhaltung“

März 21, 2008

Der unglaubliche Kölner Comedian Heinz Gröning beginnt sein neues Macho-Bühnenprogramm „Heinz G Punkt“ in der Tempelhofer Ufa-Fabrik mit einem kleinen Licht “spektakel“.

„Heinz“ haucht seinen Namen, wie eine Liebeserklärung an sich selbst, nur so hin. Er bezeichnet sich als „sensiblen Poeten, gefangen im Körper eines zu stark beharrten LKW Fahrers“. Den sensiblen Poeten kann man dann auch in den folgenden zwei Stunden erleben. Den beharrten Körper versteckt der singende Comedian dann doch vor seinen weiblichen Fans. Der Titel ist Programm und die Dramaturgie steigert sich kontinuierlich zum orgiastischen Höhepunkt.

Heinz versteht es in seinen Interpretationen ein Sprach- und Poesiemix von Heinrich von Kleist, Friedrich Schiller und Macho Heinz auf die Bühne zu bringen. Seine wahre Größe entwickelt Gröning bei seinen Aneinanderreihungen von Fremdwortraketen. Seine brillanten Schnellsprechfähigkeiten nötigen den Zuschauern große Aufmerksamkeit ab, die Heinz G. jedoch mit Leichtigkeit immer wieder durch die Interaktion mit seinem Publikums erreicht. So singt das Publikum dann mit zarter Stimme auch seine Refrains mit.

Heinz zelebriert sich gerne als das Sexsymbol und unwiderstehlicher Macho. Sein Gang zur Gitarre, untermalt von verschiedensten Klängen, wird zu einer schwungvollen Tanzeinlage und lässt Ansätze von einer Bauchtanz- oder Stripshow vermuten. Er kneift spitzbübig seine Augen zusammen und genießt die Aufmerksamkeit seines Publikums.

Der Frauenversteher spricht und singt über Sex mit einer Sozialpädagogin, über seine „Omma“, über einen echten Kölner, Herrn Hermann, den Held der Arbeit und über den Erzengel Heinz. Auch die Pressevertreter bekommen, als Nutznießer der Freikarten, ihr Fett weg. Heinz lässt aber auch kleine Einblicke in sein Leben mit seiner Tochter zu. So erläutert er dann auch die Zusammenhänge zwischen „geschlechtsspezifischer Erziehung im Rahmen der frühkindlichen Prägung“.

Manchmal lautet das Motto der Komikers: „Reim dich, oder ich fress´ dich!“ Seine Verse liegen zwischen Klamauk und Poesie. Sie sind aber nie primitiv! Zwei Herren aus dem Publikum bewunderten in der Pause „diese Wortwahl, die Stimme und das Gedächtnis“. Das wird sicherlich dem knurrenden Löwen Heinz erfreuen.

Heinz Gröning lässt den aufmerksamen Zuschauer manchmal an Heinz Erhardt oder bei den Gesangseinlagen an das Kölner Karnevalidol Bernd Stelter erinnern. Gröning jedoch einseitig zu vergleichen oder in eine bestimmte Ecke zu stellen, würde seiner Vielfalt nicht gerecht werden. Heinz Gröning hat Spaß mit sich selbst – und das merkt man auch!

Heinz Gröning tritt über Ostern in der ufa-fabrik auf. Der Besuch lohnt sich!

Thomas Moser –BerLi-Press (www.berli-press.de) für www.lichtenrade-berlin.de

19.-29.3.2008 20:30 Uhr
Mi, Fr-So:16,-/14,- €
Donnerstag: 14,- €

www.derunglaublicheheinz.de

Die Popolski-Show -Popmusik mit Witz aus Polen: „Das ist alles nur geklaut…“-

März 16, 2008

Die Popolskis bezeichnen sich als Musikerfamilie aus Polen, die sich als die wahren Urheber vieler bekannter Popsongs fühlt. Anlässlich der Veröffentlichung Ihrer CD „Live in Zabrze“ traten sie im Fritz-Club im Postbahnhof mit Ihrer „Popolski-Show“ auf.

Die Popolski-Familie sind sieben männliche Exemplare und die „Lady in Red“ Dorota. Auf der Showbühne entfaltet sich das wahre Talent der Familienband. Die Inspirationen für „ihre“ Hits, wie zum Beispiel „We will rock you“ oder „Born to be alive“ sind in ihrer tristen polnischen Plattenbausiedlung, mit dem Besenklopfen der Nachbarin an die Decke, entstanden oder wurden von ihrem Opa komponiert. Aber auch Lieder wie „Scheene Maid“, als Hommage an die Nachbarin, sind so geboren worden. Die Urfassungen der Familie klingen exotisch, dass die nachgespielten Hits zum Beispiel von Dieter Bohlen verblassen: „Dieter Bohlen, hat gestohlen, alle Hits aus Polen!“ ist der Wahlspruch der Familie.

Popolski in Aktion

Der „alteste Bruder“ Pavel bearbeitet das Schlagzeug und führt im gebrochenen Deutsch durch die zweistündige Show. Die Gruppe gönnt sich keine Pause und unterhält fulminant das altersmäßig sehr gemischte Publikum vom Anfang bis zum Ende. Der eine und andere Wodka wird auf der Bühne getrunken und auch an das Publikum ausgeschenkt. Das Schunkeln „in gleicher Richtung“ im Saal klappt aber auch schon ohne Alkohol sehr gut. „Es ist sehr erstaunlich, dass in Berlin schnell auch eine ähnliche Stimmung wie im Rheinland aufkommt“, äußert sich verwundert eine Frau im mittleren Alter aus Köln.

„We have a dream” wird in einer Punk-Rock-Version dargeboten, eine Bläser-Symphony geht langsam in den „Ententanz“ über, Tomek, der Tiger von Zabrze, intoniert „Sex-Machine“, Mirek mit seiner dreihalsigen Gitarre beeindruckt als wendiger Gitarrist genauso wie der blinde Danusz, der auf seinen Tasteninstrumenten und mit seiner soften Balladen-Stimme im satt jazzigen Sound begeistert. Die Cousins Henjek & Stenjek machen als Bläser den satten Sound der Gruppe und der „jungste Bruder“ Janusz überzeugt als Familiendödel genauso wie als Rockstar mit nacktem Oberkörper.

Kein Lied wird nur einfach „nachgespielt“, sondern wird auf eine sehr eigenwillige Art gekonnt interpretiert. Die gute Musik und Slapstick von der Popolski-Familie ist für jedes Fest und Konzert geeignet, in dem nicht nur die Trauer im Vordergrund stehen soll. Das Wort „Show“ ist hier wirklich verdient. Hier wird polnische Lebensfreude gezeigt und Popmusik witzig auf den Arm genommen.

Die polnische Rakete fliegt „Völlig losgelöst“ in den Weltraum. Zum Schluss gestehen die Musiker, die wirklich alles gegeben haben, verschämt die Urheberschaft von „Cherry, Cherry, Lady“ und lassen den Song zum Rock-Event werden.

Hier war ein Stück praktizierte unverkrampfte Völkerverständigung wahrzunehmen, zumal der Großteil der Zuschauer eher dem deutschen Sprachraum zuzurechnen waren.

Die Band tingelt jetzt durch Deutsche Lande und wird am 25.5.2008 nochmal im Berliner „Fritz-Club“, der in unmittelbarer Nähe am Ostbahnhof liegt, zu erleben sein. Dieser Termin sollte schon jetzt notiert werden!

Nach dem ersten SAT 1-Auftritt werden nunmehr die Popolskis auch im WDR zu sehen sein.

Thomas Moser (auch Fotos) -BerLi-Press (www.berli-press.de) für www.lichtenrade-berlin.de