Archive for Oktober 2007

Klaus Wowereit…und das ist auch gut so.

Oktober 11, 2007

Eine Buchbesprechung aus Lichtenrade-Sicht

von Thomas Moser

Klaus Wowereit und Lichtenrade! Das interessiert doch jeden Lichtenrader, auch wenn der Regierende Bürgermeister jetzt am Ku´damm wohnt.

Die Autobiographie verbindet den Lebensweg von Klaus Wowereit von Kindheit an in Lichtenrade in einer sehr sympathischen und kurzweiligen Art mit seinen persönlichen und politischen Erlebnissen und Erkenntnissen, seinen Weg als jüngster Volksbildungsstadtrat in Tempelhof, sein sogenanntes „Outing“ und die Arbeit als Regierender Bürgermeister.

Als jemand der nur einige Jahre später geboren wurde und auch in Lichtenrade aufwuchs, spiegelt sich viel an Gefühl und Erfahrungswelt in diesem Buch wieder.

„Wowi“, wie Klaus Wowereit gerne auch in der Öffentlichkeit genannt wird, berichtet voller Wärme und positiver Erinnerung von seinem Zuhause in der Kindheit: Lichtenrade! Er beschreibt Lichtenrade als „unser Dorf, unser Kiez, unsere Heimat“. Wowereit schildert seinen Ortsteil als „eher unspektakulären Ort…Ringsrum lagen Felder, Wiesen und Bauernhöfe, ein Paradies für Kinder“. Diese „stille, kleine, übersichtliche Welt“ konnte man auch tatsächlich so vor 40 bis 50 Jahren vorfinden und erleben. Klaus Wowereit berichtet von seinen Erkundungstouren auf dem Rad. Die Mauer hat auch er als Kind auf seinen Radausflügen „nicht als Bedrohung wahrgenommen“. Weiter beschreibt er den Umgang mit der „seltsamen“ Mauer so, dass man von Anfang an gelernt hat damit zu leben.

So erinnert sich Wowi auch an das von Monsignore Lütkehaus aufgebrachte Geld für ein neues Fahrrad. Pfarrer Lütkehaus ist vielen Alt-Lichtenradern, zumindest den Katholiken, als sturer und warmherziger Westfale noch in guter Erinnerung. Er liebte als Kind diesen Pfarrer: „Er war wie Don Camillo“. Nach Pfarrer Lütkehaus ist heute auch der Platz vor der Salvator-Kirche benannt. Auch kann sich unser jetziger Regierender Bürgermeister noch an die „Konkurrenzveranstaltungen“ zum heimischen Partykeller im katholischen Gemeindehaus erinnern, „wo gleichfalls entfesselt geknutscht wurde“.

Das Kino Roma, das für ihn „den Mittelpunkt der Unterhaltungsindustrie darstellte“, findet auch in seiner Autobiographie Erwähnung.

Am 23.6.1974 organisieren die Jungsozialisten in der SPD in Lichtenrade auf einer Wiesenfläche (Blohmstraße/Egestorffstraße) ein großes Konzert. Klaus Wowereit jobbte auch in der Lichtenrader Telefonzentrale vom Rathaus Tempelhof und konnte so „schon mal ein bisschen Bürgernähe üben“.

Aus Verantwortung für seine geliebte pflegebedürftige Mutter Hertha wohnte der ehemals Tempelhofer Volksbildungsstadtrat lange im familiären Haus in der Schillerstraße.

So beeindruckend wie ich die privaten Schilderungen der Kindheits- und Jugenderlebnisse finde, so scheinen mir einige Berlin-Themen im „Schweinsgalopp“, manchmal auch ein wenig im Zeitablauf springend, abgehandelt worden zu sein. Aber hier kann man vermuten, dass die meisten Leser diese Aspekte auch nicht viel tiefgründiger betrachtet haben wollen. Eine Autobiographie ist nun mal eine Darstellung der persönlichen Sicht über Teile des eigenen Lebens und somit auch nicht zu kritisieren. Außerdem kann man ja auf die nächste Folge der Lebensbeschreibung, unabhängig wo dann Klaus Wowereit steht, gespannt sein. Sehr anschaulich und nachvollziehbar schildert Wowereit dann auch politische „Zwänge“, den Kampf in der eigenen Partei und seinen Ärger über ungerechte und falsche Berichterstattung, besonders seiner Privatsphäre, in den Medien.

Der Leser spürt zu jeder Zeit aber die Ehrlichkeit der Worte, auch wenn es sich selbstverständlich um die subjektive Sicht von Wowereit handelt.

Jeder Leser mag ein eigenes Urteil über diese Autobiographie fällen. Spannend und kurzweilig ist sie allemal!

Mein Leben für die Politik vom Karl Blesing Verlag

ISBN 978-3-89667-334-3 für 19,95 €

Thomas Moser BerLi-Press (www.berli-press.de) für www.lichtenrade-berlin.de

Oktober 2007

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Stand-Up-Kabarettistin in der ufa-fabrik in Berlin-Tempelhof – Leise, aber doch ganz laut!

Oktober 11, 2007

Die Komikerin Anny Hartmann gibt sich wieder in der ufa-fabrik im gelungenen Programm „Zu intelligent für Sex?“ die Ehre.

Aufatmen gleich zu Beginn im fast voll besetzten Wolfgang-Neuss-Salon des Internationalen Kulturzentrums: Anny Hartmann kündigt an, dass kein Zuschauer auf der Bühne mitmachen muss. Sie hält auch dieses Versprechen!

Anny Hartmann beschäftigt sich mit ihrem Körper, Verstand und mit den Selbstzweifeln, die besonders beim weiblichen Geschlecht ausgeprägt zu sein scheinen. „Dick und doof oder dumm und schlank?“ fragt Hartmann. Diese Fragen sollen helfen die Frage zu beantworten: Bin ich zu intelligent für Sex?

Sie ärgert sich darüber, dass 30 Minuten joggen 300 Kalorien verbraucht und 30 Minuten essen dafür 3000 Kalorien mit sich bringt: „Im Alter wird vieles leichter. Nur der Körper nicht!“

Die aus Köln stammende Komikerin berichtet über ihre Studienzeit als Volkswirtin und über die Auswüchse bei der akademischen Sprache.

Über die Beschäftigten bei der Sparkasse in Köln, wo sie auch fünf Jahre gearbeitet hat, stellt sie erstaunt die Frage, wie in der „Hauptstadt des Frohsinns“ eine Mischung von Beamter und Banker eine ganz eigenwillige Welt verkörpern können? Sie weiß vom obersten Gebot der Sparkasse zu berichten: „Du sollst nicht zuständig sein!“

Eva Herman, „Das Eva-Prinzip“ und ihr eigenwilliges Rollenbild von Frauen findet, fast zwangsläufig und stets aktualisiert, Einzug in das Comedy-Programm.

Auch vor teilweise ernsten Themen, wie Religionen und die „einzige Wahrheit“, die Unfehlbarkeit des Papstes und der Hölle, macht Anny Hartmann keinen Halt.

In der Paraderolle „Dumm und sexy“ begeistert sie das Publikum.

Die Komikerin, mit Auftritten im Fernsehen und vielen bekannten Kleinkunstbühnen, hat aber auch ein Leben als Regisseurin u.a. von den Comedians Murat Topal, Thomas Nicolai und Annette Kruhl.

In der Programmankündigung heißt es treffend über die Komikerin und Autorin: „Ihre Pointen kommen wie aus dem Nichts, staubtrocken und süffisant und bestechen durch Intelligenz und Sarkasmus. Anny Hartmann macht das Private politisch und entlarvt auf geradezu engelhaft sanfte Weise gängige Klischees und Situationen.“

Das Motto von Anny Hartmann lautet: „Lieber einen Freund verlieren, als einen Mörder-Spruch verschenken“.

Mit anderen Worten kann man es so ausdrücken: Die Komikerin schafft es mit leisen Tönen, ohne Punkt und Komma, lauten soliden Humor darzustellen und ihn ehrlich zu verkörpern! Lachen garantiert!

Thomas Moser – BerLi-Press für www.lichtenrade-berlin.de

Mi-Sa 10.-20.10.2007, jeweils um 20:30 Uhr, Eintritt 12,- €

Ort: Wolfgang Neuss Salon in der Tempelhofer ufa-fabrik in der Viktoriastraße 10-18

http://www.ufafabrik.de

http://www.annyhartmann.de

BerLi-Press: www.berli-press.de