Nur noch kurz die Welt retten…

August 4, 2013

Der junge Tim Bendzko (28), der schon zu Beginn seiner Gesangskarriere die Welt retten wollte, füllt nun ganz alleine die Berliner Waldbühne. Mit 19.000 Zuschauern, konkreter gesagt waren es zum überwiegenden Teil Zuschauerinnen, ist für die Berliner Pflanze ein Traum in Erfüllung gegangen: „Ich bin völlig fassungslos, dass so viele gekommen sind.“

Ein lauer Sommerabend, der anfangs mit einigen leichten Regenschauern verbunden war, wurde zum perfekten Rahmen für das Konzert mit Tim Bendzko und seiner Band. Vorab begeisterte der Special Guest „Chima“ das Publikum.

Bereits 2009 stand Tim Bendzko bei einem Talentwettbewerb der Söhne Mannheims auf der Bühne der Waldbühne und erhielt danach seinen ersten Plattenvertrag. Im Jahr 2011 begeisterte er die Berliner in der Waldbühne als Special Guest im Vorprogramm von Joe Cocker. In diesem Jahr war er als Juror bei „The Voice Kids“ zu sehen. Zahlreiche Sommerkonzerte und Festivalauftritte absolvierte Tim Bendzko, aber Berlin ist für ihn immer wie ein ganz besonderes Heimspiel. Für Bendzko ist es eindeutig: „Das Konzert in der Waldbühne setzt dem Ganzen jetzt die Krone auf.“

Die Atmosphäre in der Waldbühne ist von Anfang stimmungsvoll. Alle Hände gehen hoch und werden im Takt bewegt, die Augen werden geschlossen, der Partner wird liebevoll umarmt und den poetischen und melancholischen Texten des Sing-Songwriters wird aufmerksam gelauscht. Tim Bendzko singt vom Schmerz „Es geht wieder vorbei,“ von einer Reise mit ihm „Sag einfach ja“ oder sogar ein wenig von seiner eigenen schnellen Karriere „Ich kann alles sehen“. Seifenblasen fliegen über das Rund der Musikarena, rote Herzballons werden geschwenkt und die Taschenlampen-App der Smartphones werden aktiviert. Viele Lieder können ohne Probleme mitgesungen werden. Natürlich präsentiert Tim auch in einer guten Mischung sein neues Album „Am seidenen Faden“.

Tim Bendzko ist ein tiefgründiges Gewächs seiner Zeit, der vor der Weltrettung noch 148 Mails checken muss. Der Pop-Liedermacher singt in seinen gefühlvollen und sentimentalen Liedern von Liebe und Ängsten. Das sind Themen, die zeitlos sind und viele Menschen bewegen. Vielleicht begeistert besonders sein jungenhaftes Wesen, seine Lockenpracht und sein entwaffnendes Lächeln? Vielleicht sind es auch die schlenkernd schleppenden Tanzschritte oder die gefühlsbetonte Ausstrahlung, die für sein Image als Frauen- und Schwiegermutterliebling verantwortlich sind? Aber egal! Tim Bendzko spielt mit diesen Klischees und ist sich derer sehr wohl bewusst. Er ist jedoch auf dem Boden geblieben und kommt unendlich sympathisch und natürlich beim Publikum an. Gänsehautfaktor inbegriffen! Der Sound der wunderbaren Band, die sogar Cello-Begleitung einsetzte, war perfekt in Szene gesetzt. Die Bühnen-Videoshow war genau so, wie sie war, perfekt.

Drei der Söhne Mannheims kamen als Überraschungsgäste zur Show und sangen zusammen mit Tim. Mit der Sängerin Cassandra Steen präsentiert Bendzko ein ganz neues Lied „Unter die Haut“. Das wurde erst vor einigen Tagen von beiden Künstlern geschrieben und wurde in der Waldbühne uraufgeführt. Ein einmaliger Konzertabend, der sein Ende mit Tim und seiner Gitarre fand: „Das war das letzte Mal, das letzte Lied. Das war das letzte Mal, dass ich Dir sag, wie sehr ich Dich geliebt hab.“

Der Facebook-Fan Marie schreibt begeistert: „Oh mein Gott…oder besser, Oh Tim!!! ,mir fehlen die Worte…ich hab die Worte nicht‘ – für diesen wundervollen, zauberhaften, unvergesslichen, megamäßig genialen, UNFASSBAREN Abend !!!“

Nach dem Konzert ist vor dem Konzert! Und so begann noch am Abend des Konzerts der Vorverkauf für „Ich steh nicht mehr still Tour 2014“ in der Berliner Max-Schmeling-Halle am 14. März 2014.

Thomas Moser – BerLi-Press

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„Ein Mann fürs Grobe“ – Gute Unterhaltung im Schlosspark Theater!

Januar 13, 2013

Es darf gelacht werden, im Schlosspark Theater Berlin! „Ein Mann fürs Grobe“ ist eine kurzweilige Theaterunterhaltung mit Witz und einigen recht deftigen Wortwechseln!
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In den Hauptrollen begeistern die waschechten Berliner Désirée Nick als Severine und Achim Wolff als Jean-Pierre.

Désirée Nick ist sicherlich ein großer Publikumsmagnet und bezaubert mit ihren eleganten Rollenoutfits. Es sei auch vorweggenommen, dass die Anziehungskraft von der Künstlerin vollkommen berechtigt ist und hier so richtig zur Geltung kommt. Schauspielerisch glänzte Désirée Nick, ohne Wenn und Aber. Sie gab als erfolgreiche Verlagsleiterin, Zicke und enttäuschte Ehefrau eine blendende Figur ab. Sicherlich passte die Rolle auch zu dem Auftreten der Diva, aber die künstlerische Leistung bestand nicht nur aus einer bloßen Reproduktion ihrer Kunstfigur. Das Ensemble spielte harmonisch zusammen und Achim Wolff entfaltet in der Rolle des Ex-Mannes Jean-Pierre im Laufe des Stückes immer mehr seine schauspielerischen Talente.

Jean-Pierre, offensichtlich wirtschaftlich ruiniert, bekommt eine Chance im Verlag und darf dort unter anderem Namen arbeiten. Dann gibt es natürlich einen Liebhaber, mit Namen Patrice, gespielt von Marko Pustisek, der wiederum nichts anbrennen lässt. Patrice arbeitet als Geschäftsführer im Verlag. Die Direktionsassistentin Celia, Birge Funke, hält der Verlagsleiterin den Rücken frei. Der unkonventionelle Botenjunge Guillaume, gespielt von Chris Gebert, spielt mit Leidenschaft seine Rolle. Besonders erwähnt ist noch der Lektor des Verlages, Gaetan. Der Schauspieler Gerd Lukas Storzer schlüpft in einer zauberhaften Weise in die Rolle als Autorenentdecker. Als dem Verlag das Buch „Porträt eines Mistkerls“ angeboten wurde, nimmt die Geschichte an Eigendynamik ihren Lauf. In weiteren Rollen sind Raimond Knoll, als neuer Buchautor Lebovsky, und Anne Rathsfeld als Buchautorin Victoria zu bewundern. Eine schauspielerisch sehr gute Ensembleleistung, was sicher auch der Regiearbeit von Frank-Lorenz Engel zu verdanken ist.

Deftig und wortgewaltig geht es dann schon zeitweise im Verlagshaus zu. So muss sich der neue Putzmann von Severine anhören: „Das Einzige, was Sie zu lesen haben, ist die Gebrauchsanleitung der WC-Ente, wenn Sie das Klo schrubben.“

Le Technicien“, wie das Werk von Eric Assous in Frankreich heißt, ist nun von Kim Langner gelungen ins Deutsche übertragen worden. Die deutsche Erstaufführung wurde begeistert vom Berliner Publikum im Schlosspark Theater aufgenommen. Unter den Premierengästen waren viele bekannte Schauspieler zu sehen, die sich alle köstlich zu unterhalten schienen.

Die ausgebildete Balletttänzerin Désirée Nick war sichtlich glücklich über den Erfolg des Stückes. Die divenhafte Maske lüftete die Künstlerin beim Schlussapplaus, indem ein befreites glückliches Lächeln über ihr Gesicht huschte.

Die ehemalige „Dschungelkönigin“ hat sich in die Herzen der Zuschauer gespielt. Ein unterhaltsames und kurzweiliges Theaterstück, in dem Désirée Nick als Schauspielerin voll und ganz überzeugen konnte!

Thomas Moser (BerLi-Press)

http://schlosspark-theater.de

Geburtstagsparty mit Helge Schneider

September 2, 2012

Berlin, 30. August 2012 Helge Schneider hatte seine Fans in Berlin zu seiner eigenen Geburtstagsparty in den Sommergarten am Funkturm eingeladen. Der Wettergott hat sich noch einmal gnädig erwiesen, denn der Regen machte während des ganzen „bunten Abends“, wie Helge Schneider seine Party bezeichnet hat, eine Pause. Helge dirigierte sein eigenes Geburtstagslied, was seine Gäste in der Open-Air-Arena für ihn zum 57. Geburtstag anstimmten.

„Im Fernsehen mach ich mich zwar rar, doch bin ich immer für Euch da“ sagt Helge Schneider und sieht seinen Auftritt als kleine Entschädigung dafür, dass er aus gesundheitlichen Gründen die diesjährigen Berlin-Konzerte absagen musste. Der Sommergarten zeigte sich als einmalige Konzertbühne, da für die nächsten Tage hier die Internationale Funkausstellung ihre Pforten für die Besucher geöffnet hat.

„Rettung naht“ nennt „Superhelge“ seine kleine Tournee. Aber die Überschriften für die Shows sind Helge Schneider sowieso schnurz. Sie müssen halt etwas verrückt sein, so wie sich der grandiose Jazzer auch gerne seinem Publikum präsentiert. In der Ankündigung hieß es: „Dieses bunte Programm entspringt wieder ausschließlich Helges Hirn, ohne gefährliche Feuerwerkeffekte, nur mit Witz, Quatsch, Phantasie und einem tollen Outfit, eventuell auch zwei!“

Zwar wurden zum Ende seines Konzertes Helge Schneider aus Lärmschutzgründen die Lautsprecher abgedreht, aber dem grandiosen Abend mit dem begnadeten Musiker und Faxenmacher tat dies keinen Abbruch.

Helge Schneider kam mit sich selbst, der zuständig ist für eine Vielzahl von Instrumenten und den Quatsch, und einigen bekannten musikalischen Gästen. Im kleinen Trio fing der Abend an. So reichten Ira Coleman am Kontrabass und Willi Ketzer am Schlagzeug, um mit Helges Unterstützung, oft am Piano, einen satten Jazzsound zu erzeugen. Sein Texas-Song, seine absurden Schönheitschirurgie-Vorstellungen oder 100.000-rote-Rosen erfreuen durch seine irrsinnigen Texte und einer genialen Musik, die oft locker improvisiert erscheint.

Helge Schneider veräppelt sein Publikum, um nicht ein anderes Wort zu sagen. Dann rutscht auch schon mal ein Rülpser raus, wenn er nach dem Teetrinkgenuss nicht ganz so zufrieden war. All das lieben seine Fans aber so sehr! Der beliebte Teekoch Bodo Oesterling muss Helge wieder als Bühnendepp unterstützen.

Die begnadete dunkelhäutige „Butterscotch“ zaubert einen einmaligen Beatbox mit ihrem Mund. Wo diese Bass-Schlagzeug-Töne letztendlich wirklich im Körper entstehen, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Scott Hamilton spielt Tenorsaxophon. Als Spezial-Guests hat Helge wieder Pete York mit seinem Schlagzeug und seiner Stimme eingeladen. Am Tenorsaxophon war der sensationelle, auch nicht mehr ganz junge, Tyree Glenn junior dabei, der seinen Auftritt stolpernd fast auf der Krankenstation beendet hätte. Natürlich fehlte auch nicht der langhaarige Yeti-Mensch, Sergey Gleitman, der mit seinen elastischen Knien so manches Tänzchen vollführte. Aber auch Helge zeigt ab und an seinen federnden Tanzschritt, wenn er sich von den jazzigen Klängen seiner Musikerkollegen überwältigt sah. Die musikalisch hochwertige Krönung des Abends war der Auftritt des bekannte Trompeters Till Brönner.

Der Meisenmann und der Telefonmann, die Grönemeyer-Interpretation und die herrliche Udo Lindenberg Interpretation rundeten diesen bunten Abend mit dem Komiker Helge ab. Im Finale sind alle musikalischen Größen vereint. Ein typischer Helge Schneider Abend, der aber immer etwas ganz Besonders ist! Bei dieser Geburtstagparty kam die musikalische Genialität von Helge Schneider so richtig zur Geltung!

Thomas Moser -BerLi-Press (www.berli-press.de)

LaLeLu: „Pech im Unglück – a-cappella-Lebensberatung“

September 2, 2012

…und so eine Art Taufe in der ufa-Fabrik…

Berlin-Tempelhof, 15. August 2012 Die a-cappella-Sensation „LaLeLu“ aus Hamburg hat im Hafen der Tempelhofer ufa-Fabrik zur Schiffstaufe angelegt. Seit 1995 ist die Musik-Comedy-Gruppe erfolgreich im deutschsprachigen Raum unterwegs. Der gesangsstarke Opernbariton Frank Valet ist neu zu der Gruppe gestoßen und hat, nach intensiven Proben für das zehnte Programm, in Berlin seine Feuertaufe bestens bewältigt. Das Berliner Premierenpublikum hat den zweistündigen Musikabend und die Taufe des Neulings mit tosendem Applaus gefeiert.

LaLeLu (Promo-Foto: c Marco Grundt)
LaLeLu (Promo-Foto: c Marco Grundt)

LaLeLu sind eine Frau und drei Männer: Sanna Nyman, Tobias Hanf, Jan Melzer und Neuzugang Frank Valet. Von Anfang an war das Berliner Publikum begeistert, wie die Gruppe musikalisch und witzig die a-cappella-Lebensberatung präsentierte. Launig und hintersinnig wird über Rollenklischees bei Spaziergängen erzählt, Pechvögel besungen, der Neuzugang Frank als lebendes Schlagzeug eingesetzt und Jan erzeugt stimmlich perfekt die Rockgitarre mit seinem Mund. Klassische Musik, Rock, Pop, Jazz und Blues alles nur mit der eigenen Stimme: Bei den vielfältigen Musikpräsentationen gibt es keine Grenzen. Die Show ist perfekt abgestimmt zwischen abwechslungsreicher Musik und kurzweiliger Clownerie. Man merkt kaum die Übergänge der Showeinlagen. Ein unsichtbarer roter Faden zieht sich durch eine gut inszenierte Vorstellung. Eine hervorragende Regieleistung von Lukas Langhoff konnte hier bewundert werden.

Die neue Sommerbühne bietet den perfekten Rahmen für die Künstler. LaLeLu bewegen sich gesanglich auf hohem Niveau und bei den Comedyeinlagen ist die Spielfreude der wichtigste Begleiter. Sie schlüpfen in unterschiedliche Rollen. Dabei spielt besonders der Baß Tobias seine Trümpfe aus, wenn er jede Menge Stimmen von Prominenten einmalig imitiert, auch mal zur Querflöte greift oder als nervender Sohn jede Menge Eis vom Vater erbettelt.

Der weibliche Part, die Finnin Sanna Nyman, zeigt ein beachtliches gesangliches Spektrum. Mit viel Eleganz und Grazie spielt sie selbstironisch mit ihren männlichen Kollegen. Bei LaLeLu kann sich jeder selbst auf die Schippe nehmen und hat dabei noch viel Freude.

Auch wenn der erste Teil des Programms an ganz kleinen Stellen noch nicht ganz rund war und kleine Abläufe noch nicht perfekt abgestimmt waren, war es eine grandiose Gesamtleistung in der Neubesetzung der Gruppe. Übrigens ist Frank Valet für Sören Sieg zu den Musikunterhaltern gestoßen, der sich nach wie vor für den Text und die Musik verantwortlich zeichnet. Sören konzentriert sich jetzt auf seine schriftstellerischen Tätigkeiten.

Zum Abschluss der Show wurden an die einhundert Lieder, ein Potpourri von Evergreens und aktuellen Hits der unterschiedlichen Stilrichtungen, dem begeisterten Publikum geschenkt.

Unterhaltung die wirklich unterhält und glücklich macht! LaLeLu lohnt sich immer wieder! So können sich die Berliner schon auf die Weihnachtsshow bei den Wühlmäusen freuen.

Thomas Moser – BerLi-Press

http://www.lalelu.de

Daniel Barenboim – DAS WALDBÜHNENKONZERT

Juli 30, 2012

Geigen statt Gewehre

Berlin-Waldbühne 29. Juli 2012 Der musikalische Großmeister Daniel Barenboim dirigiert und macht damit Politik. In der Berliner Waldbühne hatte Barenboim und das „West-Eastern Divan Orchestra“ schon 2011 einen großen Erfolg gefeiert. Dies war den musikalischen Leistungen dieses ganz besonders zusammengesetzten Orchesters zu verdanken.

Nun gab es eine Zugabe: Im Jahr 2012 beglücken die Künstler erneut die Berliner und spielen sich mit der 3. und 5. Symphonie von Ludwig van Beethoven in die Herzen der Zuschauer.

Pünktlich zum Konzertbeginn hörte der dauerhafte Regen auf und sogar die Sonne empfing die jungen Musiker und die circa 15.000 Konzertbesucher in der Berliner Waldbühne. Trotzdem war Regenbekleidung die bevorzugte Abendgarderobe, die zum Glück dann nicht gebraucht wurde.

Das Orchester wurde 1999 von Daniel Barenboim und Edward Said, ein in Palästina geborener amerikanischer Literaturwissenschaftler, in Weimar im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt gegründet. Die Musiker des West-Eastern Divan Orchestra kommen aus Israel und Palästina, aus Syrien, Jordanien, Ägypten, dem Libanon, dem Iran, der Türkei und Spanien. Das Orchester setzt sich aus jungen Musikern von 14 bis 25 Jahren zusammen. Jedes Jahr treffen sie für Sommerworkshops zusammen, die inspiriert sind vom Geist der Musik und der Bereitschaft, sich mit den Erfahrungen und Sichtweisen der Kollegen auseinanderzusetzen, die alle persönlich mit der schwierigen Situation im Nahen Osten verbunden sind. In diesem Jahr finden die Sommerproben und Workshops erstmals in Berlin statt.

Das junge Orchester und Barenboim will mit Hilfe der Musik Barrieren einreißen, die immer als unüberwindlich angesehen wurden: „Der einzige politische Aspekt, dem die Arbeit des West-Eastern Divan unterliegt, ist die Überzeugung, dass es für den Nahost-Konflikt niemals eine militärische Lösung geben wird und dass die Schicksale der Israelis und Palästinenser untrennbar miteinander verbunden sind.“ Das Orchester leistet damit eine besondere musikalische Friedensarbeit.

Im ersten Konzertteil wurde die 3. Sinfonie in Es-Dur, op. 55, mit dem Beinamen „Eroica“, präsentiert. Die Vögel wetteiferten im 1. Satz mit den Flöten. Nach dem langen 2. Satz, dem Trauermarsch, schuf Beethoven im 3. Satz, dem Scherzo, etwas Außergewöhnliches. Von einem Pianissimo ging es fast schreiend in ein Fortissimo über.

Für diese Open-Air-Veranstaltung hatten die Veranstalter einen sehr guten klassischen Sound gezaubert, der nur vom entfernten Flugzeugbrummen beeinträchtigt wurde. Mit prachtvollen Fanfaren wurde das Finale gekrönt. Nach der Pause merkte man die Feuchtigkeit die gut besuchten Ränge hochkriechen. Die warmen Jacken wurden ausgepackt, die Sitzkissen sorgten für trockene Beinkleider und einige Fledermäuse zogen in der Dunkelheit ihre Bahnen.

Ludwig van Beethovens 5. Sinfonie in c-Moll, op. 67, gehört zu den berühmtesten Sinfonien Beethovens und ist eines der populärsten Werke der klassischen Musik. Die Fünfte ist auch unter der Bezeichnung „Schicksalssymphonie“ bekanntgeworden. Das Werk wurde 1908 in Wien uraufgeführt und von Beethoven selbst dirigiert. Beethoven verwendet als kurzes rhythmisches Element das bekannte „ta, ta, ta, taaaa“ und verzaubert damit auch seine Berliner Fans im zweiten Konzertteil.

Am Schluss durfte endlich richtig applaudiert werden, nachdem zwischen den Sätzen diese Art der Zustimmung bei Konzertprofis verpönt ist. Heute war sichtlich nicht nur das typische Klassik-Publikum vertreten. Aber wer will schon festlegen, was typisch und was richtig und falsch ist. Eines ist jedoch sicher, das Konzert hat dem Publikum hervorragend gefallen, was besonders am frenetischen Schlussapplaus abzulesen war.

Diese schöne kleine Konzerttradition ist eine wunderbare Ergänzung zu den „Young Euro Classic“, die in diesen Tagen wieder im Konzerthaus am Gendarmenmarkt stattfinden.

Daniel Barenboim erklärte: „Die Konzertatmosphäre in der Waldbühne mit ihrem großartigen Publikum ist auch für mich und das Orchester eine ganz besondere, und da lag es nahe, mit einem weiteren Sommerkonzert des WEDO in Berlin hoffentlich eine neue Tradition zu gründen.“ Das Konzert in der Berliner Waldbühne war auch 2012 ein Benefizkonzert für die dem Orchester verbundenen Bildungsprojekte in Israel und Palästina.

Das Waldbühnenkonzert war sicher eines der Höhepunkte der „Beethoven For All“ Tournee. Weiter geht es bis 2013 durch vier Kontinente, aber erstmal wird ein musikalischer Zwischenstopp bei den Olympischen Spielen in London eingelegt.

Der Tournee geht die Veröffentlichung aller neun Beethoven-Sinfonien voraus, die Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchester im Sommer 2011 in Köln aufnahmen. Die 5-CD-Box „Beethoven For All“ erschien am 15. Juni bei Decca.

Ein wundervolles Konzertvergnügen der Spitzenklasse, egal ob live oder als Konserve!

Thomas Moser – BerLi-Press – (www.berli-press.de)

 

Bericht von Konzert im Jahr 2011: http://weblog.berli-press.de/archive/2011/08/23/die-ode–an-die-freude–erf-llt-die-waldb-hne.htm

Neues von der Rating-Agentur

Juli 19, 2012

Arnulf Rating in der ufa-Fabrik

Berlin-Tempelhof, 18. Juli 2012 Der Kabarettist Arnulf Rating ist mit seinem „Stresstest-Mobil“ in Deutschland unterwegs. Mit dem neuen Programm „Stresstest Deutschland“ ist er in seiner Berliner Wahlheimat an zwei Tagen in der Tempelhofer ufa-Fabrik abgestiegen. Die Sommerbühne der ufa-Fabrik ist es dann doch nicht geworden, weil man die Stresstestbesucher vor den sommerlichen Eskapaden schützen wollte. So hat das Stresstest-Team kurz entschlossen seine Behandlung in den neuen großen Saal verlegt, der bis zum letzten Platz gefüllt war.

Der Mitbegründer der legendären Berliner Anarcho-Kabarett-Truppe „Die 3 Tornados“, Arnulf Rating, ist Kabarettist mit Laib und Seele und schlüpft gerne in andere Rollen. So hat Rating ein größeres Stresstest-Team an Bord seines Ex-Guido-Mobils. Dabei darf die beliebte Schwester Hedwig nicht fehlen. Die dralle rothaarige Schwester kann viel über die Sinnhaftigkeit eines Stresstestes erzählen: „Der Stresstest liefert Bemerkenswertes aus einem Land, wo die Aufzucht von Schweinen mehr abwirft als die Aufzucht von Kindern.“ Besonders bei ihren Geschichten rund um Liz Mohn und ihr Bertelsmann-Imperium blüht sie auf. Schwester Hedwig und Dr. Mabuse sind das medizinische Team, wenn es um die Fragen rund um die Finanz- und Eurokrise geht. Die älteste Rating-Agentur darf bei diesen Themen natürlich nicht fehlen.

Arnulf Rating hat ein schnelles fast atemloses Programm auf die Beine gestellt, das kein wichtiges gesellschaftliches Thema auslässt. Da darf schon mal gekalauert werden, wenn Ratings andere Protagonisten die Bühne betreten. Der Fahrer Kallkowski gibt Backstage-Einblicke, der Wutbürger und Stresstestgegner zeigt sich „flexibel“ angepasst und der Manager Fred Bertelmann kündigt das Stresstest-Team mit seiner neuen App. Angela Merkel und die wahren Angela Sisters sind genauso Mittelpunkt im Programm, wie Sarrazins neue Euro-Ergüsse, die Testosteronbremse von Schwester Hedwig und Ost-West-Schicklichkeiten.

Arnulf Rating ist wandelbar in seinen Rollen und begeistert sein anhängliches, etwas in die Jahre gekommenes, Publikum mit wechselnden Kostümen. Die zweite Programmhälfte und besonders die beliebte Presseschau wird noch begeisterter von seinen Fans aufgenommen. Arnulf Rating spielt bis zum letzten Schweißtropfen und kann seinen ganz persönlichen „Stresstest Deutschland“ nach zwei Stunden erfolgreich beenden. Arnulf Rating und seine Rating-Agentur gibt eine etwas andere und wohltuendere Einschätzung, als die drei großen Rating-Agenturen Standard & Poors, Moody’s und Fitch es für gewöhnlich tun: „Und das ist auch gut so!“ Meine Ratingbewertung für Rating: „AAA / Triple A“!

Und wer noch nicht genug von Arnulf Rating hat, der kann „Stresstest Deutschland“ auf der aktuellen Doppel-CD (ISBN 978-3-931265-92-2 / 18,90 Euro) hören.

Thomas Moser -BerLi-Press

Arnulf Rating bei einem der letzten Besuche in der ufa-Fabrik: http://weblog.thomasmoser-berlin.de/archive/2009/01/01/arnulf-rating-gibt-sein-letztes.htm

www.ufafabrik.de

www.rating.de

Glückskekse erobern die Neuköllner Oper

Juli 7, 2012

Berlin-Neukölln, 5. Juli 2012 Wer hat nicht schon einen dieser sprachlich wirren Glückskeksweisheiten gelesen? Die Neuköllner Oper beamt seine Zuschauer in eine nicht immer glückliche Glückskekszukunft. Die „Chinesische Offenbachiade“ stellt im Studio der Neuköllner Oper eine chinesische Glückskeksfabrik im Jahr 2030 dar. Schwüle Luft, die die Premierengäste schon vor dem Musikabend ins Schwitzen brachte, war die authentische Kulisse für den „Aufstand der Glückskekse“.

Ein Fließband spuckt im Sekundentakt Glückskekspakete aus. Volksgenossen verpacken die kitschigen Glückskeksweisheiten. Die Monotonie ist körperlich zu spüren. Angetrieben vom Vorarbeiter und der Chefin, aufgeheizt mit platten politischen Parolen, müssen die Arbeiter immer mehr leisten: Immer schneller, keine Pausen, wenig Urlaub, keine Rechte. Hier werden Glückskekse produziert, aber die Arbeiter sind hier alles andere als happy. Und so kommt es, wie es kommen musste, Ma und Li begehren auf und entpuppen sich nach und nach als getarnte deutsche Gastarbeiter. Li singt von ihrer Verzweiflung und Sehnsucht: „Lange halte ich das Theater nicht mehr aus.“ Diese „Butterstinker“, wie man sie hier nennt, dürfen sich aber nicht wirklich zu erkennen geben. Unterstützung erhält der Aufstand dann unerwartet von der Fabrikchefin Ai. Aber da haben sie nicht mit Hung, dem Vorarbeiter, gerechnet. Der fährt alle Geschütze auf, um den Aufstand niederzuschlagen.

Die Original Operetten-Geschichte von Jacques Offenbachs „Ba-ta-clan“ wurde von Kriss Rudolph und Andrew Hannan in eine heutige persiflierte Zukunftsvorstellung transferiert. Im kleinen Neuköllner Studio ist das Fließband die Bühne. Die Texte sind witzig und amüsant. Sprachübungen zur Verbesserung des rollenden „R“ (Blaukraut bleibt Blaukraut) sollen die Integration erleichtern. Manchmal bleiben aber nur noch klischeehafte Kalauer und eine Schuhplattler-Glückskeksparade übrig. Die Weisheiten von Konfuzius werden genauso verwurstet, wie ein Rückblick auf den aktuellen EU-Rettungsschirm.

Andrew Hannan hat sehr gelungen die Musik für eine zweimanualige Konzertorgel arrangiert und greift auch höchstpersönlich in die Tasten. Der Bariton Dejan Brkic spielt den autoritären Vorarbeiter Hung und die Chefin Ai wird von Nini Stadlmann interpretiert. Die Arbeiterin Li, Sopranistin Alexandra Schmidt, verbündet sich mit Ma, Nicolas Heiber, der den zweiten Arbeiter singt und spielt. „Der Aufstand der Glückskekse“ ist eine zauberhaft lebendige und unterhaltsame Operette. Die gesangliche Leistungen des gesamten Ensembles überzeugen – ohne Ausnahme! Die Freude und der Spaß am Spiel blitzen den Sängerinnen und Sängern aus den Augen. Und das ist es dann auch, was bei dem sechzigminütigen Vergnügen mehr als überzeugt.

Das Singspiel der Neuköllner Oper ist kurzweilige Unterhaltung auf hohem gesanglichen Niveau, aber manchmal halt auch so ein bisschen Klamauk und Kindergeburtstag.

Thomas Moser – BerLi-Press

„Aufstand der Glückskekse“

eine chinesische Offenbachiade von Kriss Rudolph und Andrew Hannan

Musikalische Leitung: Andrew Hannan
Inszenierung: Gustav Rueb
Choreographie: Nini Stadlmann
Ausstattung: Alexandre Corazzola
Dramaturgie: Bernhard Glocksin

Spieltermine: 5./6., 12.-15., 19.-22.,26.-29. Juli und 2. – 5., 8., 12. August, jeweils 20 Uhr

http://www.neukoellneroper.de

Witzige Wortspielereien und ein luftiges Varieté

Juli 2, 2012

Der Sommer ist da: In der Tempelhofer ufa-Fabrik ist wieder Sunset Varieté im überdachten Sommergarten angesagt. Der wuschelige Wortakrobat Marcus Jeroch, ein Stammgast der Tempelhofer Kulturoase, hat zu seinem „SchlagWort XL“-Programm eingeladen. Der Untertitel „Wortakrobat trifft Luftskulpturen“ lässt ein luftiges Vergnügen erwarten.

Die Programmankündigung hat nicht zu viel versprochen: „…ein Programm, das auf unterschiedlichste Weisen Luftskulpturen formt, gegensätzlich, verwandt, verwoben…..ein kleines Varieté oder ein großes Kleinkunst-Spektakel!“

Die Sängerin Bella Nugent eröffnet den Abend. Mit ihren südafrikanischen und irischen Wurzeln trifft sie immer den richtigen Ton und passt hervorragend in das Gesamtkunstwerk der Show. Eine tolle Sängerin!

In der Kombination des Wortekünstlers Jeroch mit dem Multi-Trommler-Percussion-Meister Schroeder entsteht ein wahres Hörspiel aller Sinne.

Alle Varietéteile verbinden sich zu etwas ganz Großem. Der Zauselkopf Marcus Jeroch jongliert mit Worten, dem ganzen Körper und auch tatsächlich mit Bällen. Die sprachlichen Verdrehungen sind genial. Egal, ob er Buchstaben aus dem Alphabet verschwinden lässt, die wahre Bedeutung von „Ma-ma“ und „Pa-pa“ erklärt oder „Dorn-röschen“ interpretiert, es ist immer lustvoller Wortspaß der Extraklasse! Der ein bisschen verrückte Multikünstler Jeroch kann aber auch seinen Körper wie ein Gummi-Mensch verbiegen und hat seine Jonglagekunst mit Bällen vervollkommnet. Unterstützt wird er in diesem Kunstbereich diesmal von einem Künstlerpärchen, dass gefühlvoll als Partnerpräsentation Keulen schwingen lässt. Der weibliche Part zaubert eine exzellente Diabolo-Nummer auf die Bühne.

Das Besondere in diesem Programm ist, dass alle einzelnen Teile liebevoll zusammenschmelzen. Für die luftige Einlage sorgt Tanja Stolting, die mit einer märchenhaften Luftakrobatik an Tuch und Trapez wundervolle Bilder in die Luft zeichnet, fast wie ein Fabelwesen zieht sie ihre Kreise: „ein echtes Pendant zu Jerochs skurrilen, mitunter surrealen Wortverdrehungen.“

Schlagzeuger Schroeder ist als Zauberer der Töne ein Meister der besonders kreativen und leisen Programmteile. Die abschließende „Wassermusik“, im wahrsten Sinne der Wortes, ist der krönende Abschluss einer circa neunzigminütigen Veranstaltung. Das Publikum war bei der Berlin-Premiere begeistert! In der Programmankündigung heißt es (man kann es nicht besser ausdrücken): „In diesem Jahr nun setzen sie ihre Worte – und Klangeskapaden in einer Reihe von Projekten in Beziehung zu anderen Künstlern, anderen Kunstformen.“ Die Idee ist perfekt aufgegangen! Es ist ein Programm mit weltstädtischem Niveau entstanden!

Thomas Moser –BerLi-Press

www.ufafabrik.de

Spieltermine: Fr+Sa, 29.+30.6., Mi-Sa, 4.-7.7., Do-Sa, 12.- 14. 7.

Beginn: 20 Uhr, Eintritt: Eintritt: 19,-, erm. 15,- Euro Stud. 12,- (nur VVK)

Rainald Grebe – Kindergeburtstag für Erwachsene

Mai 25, 2012

Berlin, 24. Mai 2012 Das Tempodrom am Anhalter Bahnhof in Berlin bietet zum Abschluss seines Orchesterprojektes den Rahmen für den Kabarettisten und Liedermacher Rainald Grebe & „Das Orchester der Versöhnung“. Der letzte Stopp in Berlin dauert zwei Tage und ist nach dem ausverkauften Gastspiel im Berliner Admiralspalast, zwei erfolgreichen Tourneen und einem überwältigenden Waldbühnenkonzertspektakel der krönende Abschluss.

Seine Konzerte sind immer ein großes Spektakel. Die erste Hälfte seiner Abschlussvorstellung scheint aber eine einzige große Kinderparty für Erwachsene, alternativ ein ausgelassener Herrenabend, geworden zu sein. In bunten Verkleidungen erstürmen die Künstler die Bühne und der Meister eröffnet seinen Budenzauber fast schon traditionell mit dem Indianer-Federschmuck. Mit witzigen Wortfetzen, Weißheiten in Reimattacken, Krach und Klamauk, schelmischen Hintersinn und jeder Menge Spaß präsentiert der Künstler sein Programm. Lümmelnd in seinem Drehstuhl am Piano und über die Bühne springend: Rainald Grebe ist voll bei der Sache! Der eine oder andere mag sich fragen, wer da was geraucht hat? Aber seine musikalischen Ambitionen sind durchaus anspruchsvoll und werden von der Band und dem Streichorchester gelungen umgesetzt. Ein DJ ist mit an Bord und sorgt für die abgedrehtesten Geräusche. Die vierköpfige Streichergruppe besteht aus etwas betagten Herren, die einen wunderbaren Kontrast im Irrsinn von Grebes Traumwelt bieten.

In der Ankündigung heißt es passend: „Seine Konzerte mit dem zehnköpfigen Orchester, ein einzigartiges Spektakel zwischen Quatsch und Pathos, Theater und Comedy, Zirkus und Popkonzert haben Grebe den Ruf als einer der außergewöhnlichsten Entertainer Deutschlands eingebracht.“

Der Musiker begeistert das Publikum, wenn er sich zum Beispiel im „Prenzlauer Berg“ -Song selbst auf die Schippe nimmt: „Am Kollwitzplatz stehen die Volvos, vor der LPG stehen die Saabs. Die Mieten hier sind bezahlbar, denn ich kann sie ja zahlen…Ho-, Ho-, Holzspielzeug!“ Aber auch beim bittersüßen ´Protestsong` „Ich bin Oben“ droht einem das Lachen im Halse steckenzubleiben. Erlebnisse im Alltag vergnügen das teils kreischende Publikum sehr: Ritter-Sport Vielfalt-Verirrungen und erlebte „Handtaschentänze im Haus der Kulturen“ gehören dazu. Für die bildhafte Veranschaulichung des Handtaschentanzes lassen sich auch schnell Menschen aus dem Publikum gewinnen. Leibhaftig präsentiert „Mike aus Cottbus“, besonders zum Vergnügen der vielen weiblichen Fans, eine sehenswerte Stripeinlage.

Beim unendlich lang wirkenden Lied vom Angeln wird die Angleridylle beschrieben und auf den Arm genommen. Beim „Diktator der Herzen“ vergeht einem schon manchmal das Lachen: „Heut war Steinigung im Bürgerpark. Ich war leider nicht dabei, ich verbrachte den Vormittag in meiner Falknerei“. Aber genau diese Zuspitzung ist Grebe!

Dieser „verrückte“ Künstler lässt sich mit den Zugaben wahrlich nicht lumpen. Der „Präsident“ („Tatütata der Präsident, ich fahre mit Eskorte…“) musste genau so dabei sein, wie zumindest einige Lieder im Zyklus über die armen Bundesländer. Diesmal war „Sachsen-Anhalt“ und als krönender Abschluss „Brandenburg“ dabei. Spätestens dieses Lied konnten dann Alle mitsingen: „In Brandenburg, in Brandenburg, ist wieder jemand gegen einen Baum gegurkt. Was soll man auch machen mit 17, 18 in Brandenburg?“ Diese zynisch-humorvollen Balladen haben den überzeugenden zweiten Teil der Grebe-Show zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen.

In der Rezension zum großen Jubiläumskonzert „Halleluja Berlin“ in der Waldbühne, im Juni 2011, haben wir geschrieben: „Egal was Rainald Grebe singt, es hört sich alles gut an. Das Timbre in seiner Stimme hat etwas unbeschreiblich Interessantes! Bezaubernd sind seine stets witzigen und hintersinnigen Texte, er schaut den Leuten aufs Maul und scheut nicht davor zurück, sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Rainald Grebe hat ganz großes Theater geboten.“

Was soll man dem noch hinzufügen? Wir können auf seine neuen Projekte gespannt sein!

Thomas Moser -BerLi-Press (www.berli-press.de)

 

Rezension von BerLi-Press über das große Waldbühnenkonzert:

http://weblog.berli-press.de/archive/2011/06/19/-halleluja-berlin—-ein-riesenspektakel-von-und-mit-rainald-grebe.htm

„Über Jungs“ – Mit GRIPS zum Grips

Mai 23, 2012

Berlin, 22. Mai 2012 Pubertärer Alarm im Theater! Da kann das GRIPS-Theater nicht weit sein, denn diese Bühne spielt besonders gerne für Kinder und Jugendliche.

Im GRIPS-Theater am Hansaplatz gab es für die Altersgruppe „14 +“ die Uraufführung des Theaterstücks „Über Jungs“. Wie es die Altersangabe richtig vermuten lässt, geht es im Wesentlichen um einige üble Auswüchse von Jungs, wenn sie im testosterongesteuertem Alter auf die schiefe Bahn kommen.

Vier ungenießbare Jungs, aus den unterschiedlichsten Milieus mit einem breiten Spektrum von Straftaten, treffen bei einem Koch-Anti-Aggressionstraining aufeinander. Die erfolgreiche Teilnahme bedeutet für die Jugendlichen die letzte Chance vor dem Knast.

Der zynische Staatsanwalt Aschenbach, souverän gespielt vom GRIPS-Urgestein Thomas Ahrens, hält gar nichts von dieser Kuschelpädagogik und sähe die Jugendlichen am Liebsten hinter Gittern. Thomas Ahrens spielt auch noch einen übergriffigen Vater. Zu bändigen hat das Ganze die Sterneköchin Christine Duvaldier, die diesen besonderen Kochkurs leitet. Die Köchin, dargestellt von der grandiosen Regine Seidler (übrigens auch die Darstellerin der Lehrerin Frau Müller im letzten Theaterstück über durchgeknallte Eltern), soll der Gruppe nicht nur das Schneiden von Gemüse und das Kochen beibringen, sondern hauptsächlich soziale Kompetenzen vermitteln. Jungs und Kochen, das wird von einigen Knaben nur als „unfassbar schwul“ bezeichnet.

So ist dann auch beim Untertitel des Stückes „Bin ich Küche“ der Jugendsprache liebevoll aufs Maul geschaut worden. Wie man überhaupt sagen muss, ist das Theaterstück von David Gieselmann, dass im Dialog mit dem gesamten Ensemble und der Regisseurin Mina Salehpour entwickelt wurde, in seiner liebevollen Umsetzung ein Sympathiebeweis an die junge Generation. Die jugendlichen Zuschauer bei der Premiere fühlen sich angesprochen und applaudieren immer wieder über witzige Dialoge und den schauspielerischen Glanzleistungen der gesamten Theatercrew. Die Charaktere der machohaften Jugendlichen werden von den Schauspielern wundervoll, in einer teilweise derben Jugendsprache, herausgearbeitet.

Die Knabengruppe wird dann am zweiten Tag unerwartet von einem aggressiven Mädchen „verstärkt“. Und es kommt, wie es kommen muss. Die Emotionen im Kochworkshop drohen außer Kontrolle zu geraten. Es geht immer noch darum, dass innerhalb von drei Tagen ein Menü gezaubert werden soll oder die Teilnehmer in den Knast müssen. Übrigens das Ende des Stückes sei hier nicht verraten, zumal es sich auch erst kurz vor der Premiere in einer Gemeinschaftsarbeit aller Mitwirkenden entwickelt hat. Aspekte von Youtube, Fernsehserien, Comics, Popsongs, Computerspielen und Werbespots wurden witzig und abwechslungsreich in das Stück integriert.

Es geht nicht um die großen Erkenntnisse dieser Welt, sondern letztlich nur um die kleinen wichtigen Schritte im Leben! Oder, um es mit den Worten der Köchin zu sagen: „Einfach nur mal eine Karotte zu schneiden!“

Trotz aller inhaltlichen Schwere ist „Unter Jungs“ eine leichtfüßige, niveauvolle und kurzweilige Unterhaltung…wie man es halt vom GRIPS-Theater gewohnt ist.

Thomas Moser – BerLi-Press

 Besetzung „Über Jungs“: Sebastian Achilles, Thomas Ahrens, Jens Mondalsiki, Robert Neumann, Nina Reithmeier, Regine Seidler, Roland Wolf

www.grips-theater.de